Schlagwort: Media

  • Erschütterung der Macht in Hollywood: Disney schluckt Lucasfilm

    George Lucas hat seine Ankündigung wahr gemacht – er tritt ab als alleiniger Herrscher über die „Star Wars“-Galaxie. Seine Firma Lucasfilm verkaufte er nun für über vier Milliarden US-Dollar an den Unterhaltungsgiganten Disney. Der Micky-Maus-Multi kündigte auch gleich an: Star Wars geht schon ab 2015 in die nächste Runde – und wird als Marke gnadenlos ausgeschlachtet.


    Horrorvision aller eingefleischten Star Wars-Fans. (Bild: UGC)
    Horrorvision aller eingefleischten Star Wars-Fans. (Bild: UGC)

    Das Imperium hat wieder einmal zugeschlagen. Nach dem Animationsstudio Pixar ( „Findet Nemo“) und dem Comic-Konzern Marvel („Iron Man“) hat Unterhaltungsmulti Disney seinen Einkaufszug durch die Medienwelt fortgesetzt. Das Objekt der Begierde hieß diesmal Lucasfilm – über vier Milliarden US-Dollar (rund drei Milliarden Euro) bezahlte Disney für die Firma des kalifornischen Filmemachers George Lucas – inklusive Spezialeffekte- und Sound-Studios sowie der Computerspiele-Schmiede LucasArts. George Lucas wird als alleiniger Eigentümer des Unternehmens bar und in frisch herausgegebenen Aktien ausbezahlt.

    Schon bei der Übernahme kündigte Disney an, das Weltraumdrama fortschreiben zu wollen. „Der letzte Star Wars-Film war ‚die Rache der Sith‘ im Jahre 2005. Wir glauben, dass erhebliche Nachfrage für neue Folgen besteht“, sagte Disney-Chef Bob Iger in Burbank bei Los Angeles. Laut Iger soll schon 2015 Star Wars-Episode 7 in die Kinos kommen, die Folgen acht und neun sind bereits in Planung. Alle zwei bis drei Jahre, versprach Iger, werde ab dann ein neues Abenteuer aus der Reihe – aller Voraussicht nach in 3D – über die Leinwände flimmern.

    Die bisherigen sechs Episoden der Reihe kamen in den Jahren 1977 bis 1983 sowie 1999 bis 2005 in die Kinos und waren ausnahmslos Kassenschlager. Rechnet man Einspielergebnisse mit Merchandise-Einnahmen zusammen, hat Lucasfilm laut eigenen Angaben insgesamt rund 20 Milliarden US-Dollar an der Reihe verdient. Damit wäre die Geschichte um Luke Skywalker, Prinzessin Leia und Darth Vader das erfolgreichste Kino-Epos aller Zeiten. An den anderen Produkten der Firma, etwa dem „Indiana Jones“-Franchise, bekundete Iger allerdings kein Interesse.

    George Lucas erklärte, dass er sich bereits auf die neuen Episoden freue und sich künftig als Fan der Reihe sehe. Bereits zu Beginn dieses Jahres hatte der 68-Jährige seinen Ausstieg aus Hollywood angekündigt: „Ich ziehe mich zurück“, hatte er der New York Times verraten. „Ich steige aus der Industrie und meinem Geschäft aus.“ Disney hatte ihm offenbar bereits im Laufe des Jahres 2011 ein Angebot für eine Übernahme gemacht, doch erst im Zuge seines Rückzuges aus der Arbeitswelt kam ein Deal mit dem Micky-Maus-Imperium zustande.

    Mit der Übernahme führt Disney laut dem „Handelsblatt“ seine über die vergangenen Jahre angewandte Geschäftsstrategie gekonnt fort: Bewährte, gut verkäufliche Marken werden aufgekauft und umfassend kommerzialisiert. So auch geschehen bei Marvel. Für die Comicschmiede bezahlte Disney 2009 rund  4,3 Milliarden US-Dollar. Auch hier baut der Konzern auf Altbewährtes statt auf eigene Ideen. Mit vertrauten Figuren und einer verstärkten Konzentration auf 3D, Spezialeffekte, Merchandise und Weiterverwertung in Themenparks möchte Disney familienfreundliches „Event-Kino“ bieten. Gelungen ist dem Megakonzern dies bei dem Animationsspektakel „The Avengers“, das im Frühjahr 2012 weltweit 1,5 Milliarden US-Dollar (rund 1,15 Milliarden Euro) einstreichen konnte und damit Skeptiker der Marvel-Übernahme besänftigte.

    Ähnliches wird wohl auch dem Weltraumdrama Star Wars verstärkt widerfahren. Der 1977 gedrehte erste Teil der Saga hatte Lucasfilm – damals eine unbekannte Independent-Klitsche aus San Franciso – gerade mal elf Millionen US-Dollar gekostet. Das ist nicht viel mehr als Ewan McGregors Gage für die Rolle des Obi-Wan Kenobi in „die Rache der Sith“. Doch für die immer weitergedrehte Kommerzialisierungsschraube hatte George Lucas viel Fanschelte bezogen. 

So hatten Fans schon in den späten Neunziger Jahren Lucas‘ überarbeitete Fassungen der ursprünglichen drei Star Wars-Filme kritisiert. Sie seien nicht nur digitalisiert, sondern auch inhaltlich nachträglich verändert worden, lautete das Urteil. Ähnlich durchwachsen waren die Reaktionen auf die drei neuen Filme, die zwischen 1999 und 2005 in den Kinos liefen. Erkennbar familienfreundliche Figuren wie Jar Jar Binks, der bei Episode 1: „Die dunkle Bedrohung“ erstmalig die Star Wars-Welt betrat, fielen bei eingefleischten Fans durch.

    Lucas selbst ließ das nicht kalt. „Warum sollte ich noch mehr Teile machen, wenn man ständig von allen Leuten angeschrien wird, was für eine schlimme Person man doch sei“, schmollte er gegenüber der New York Times Anfang 2012. Dies war wohl auch ein Grund für ihn, das Geschäft zu verkaufen. Er selbst werde allenfalls noch Independent-Filme machen, kündigte er an – wie damals als Film-Student in den Sechziger-Jahren. Ob dies angesichts des Disney-Deals die Fans beruhigen wird, darf jedoch bezweifelt werden.

    Erschienen auf Yahoo! Finance am 31. Oktober 2012

     

  • Titanic-Chefredakteur Leo Fischer im Interview: Papst „schwer von Begriff“

    "Alles nur ein Missverständnis": Diese abgewandelte Version des umstrittenen Papst-Bildes erschien am Mittwoch auf der Titanic-Website (Bild: Titanic)Ein umstrittenes Papst-Bild auf dem Cover des Satire-Magazins „Titanic“ hat für einen beispiellosen Eklat gesorgt. Benedikt XVI. schaltete sich persönlich ein und erwirkte eine einstweilige Verfügung, die „Titanic“ verbietet, das Bild weiter zu zeigen. Wir befragten „Titanic“-Chefredakteur Leo Fischer am Tag danach: Seine Antworten sind eine Mischung aus Satire, gespielter Reue – und neuen Frotzeleien gegen den Papst. Er kündigt an: „Titanic“ werde sich gegen das Verbot juristisch wehren.

    Die Empörung war gewaltig: „Titanic“ hatte den Papst auf dem Cover seiner aktuellen Ausgabe mit einem uringelben Fleck auf der Soutane im Bereich des Schritts gezeigt, begleitet von der Schlagzeile „Die undichte Stelle ist gefunden!“ –  eine Anspielung auf die Vatileaks-Affäre. Nachdem der Papst juristisch ein Verbot des Covers erzwang, kam nun prompt die –  gewohnt ironische – Reaktion des Magazins.  Alles sei ein Missverständnis, erklärte Chefredakteur Leo Fischer auf der „Titanic“-Webseite.

    Der Titel zeige einen Papst, der vor Freude über die Aufklärung der „Vatileaks“-Affäre ein Glas Fanta über seine Soutane verschüttet. Auf der Titanic-Homepage erschien zudem ein abgewandeltes Bild, das den Papst mit zwei Fanta-Flaschen in den Händen zeigt. Im Interview mit Yahoo! Nachrichten macht Fischer aber klar: Einen Kniefall vor dem Papst plant er nicht – ganz im Gegenteil.

    Yahoo! Nachrichten: Herr Fischer,
    gab es schon viele Protestanrufe von wütenden Bürgern in Ihrer Redaktion?

    Leo Fischer: Zur Zeit werden die alle erstickt durch die unablässigen Medienanfragen. Selbst wenn sich jemand beschweren wollte, käme er derzeit nicht durch.

    Woher haben Sie eigentlich die Information, dass Benedikt Fanta trinkt? Ist das gesichert?

    Das wurde anlässlich seiner „Krönung“ mehrfach kolportiert. Man kann ihn zum Beispiel auf den Weltjugendtagen sehen, wie er Fanta trinkt, abwechselnd mit Sinalco übrigens. Aber Fanta scheint seine Hausmarke zu sein – da gibt es Fotobelege.

    Wie geht es jetzt weiter im Zwist mit dem Papst? Was passiert als nächstes?

    Wir setzen ja auf den Ausgleich mit dem Papst. Wir haben die Hand der Versöhnung ausgestreckt in Richtung des Vatikans. Wir hoffen, dass sich der Papst an seine christlichen Grundtugenden erinnert, die da heißen „Verzeihen, Verständnis und Liebe“. Sollte der Papst auf seiner Fehlinterpretation unseres Titels beharren, dann werden wir wohl schweren Herzens den Weg durch die Instanzen gehen müssen.

    Sie bitten um Verzeihung – heißt das, die Titanic hat sich mit Ihrem letzten Streich vergriffen?

    Wir haben zumindest nicht damit gerechnet, dass der Papst so schwer von Begriff ist und diesen Titel fehlinterpretieren könnte.

    Fühlen Sie sich auch ein bisschen geehrt, weil der Papst reagiert hat?

    Als Katholik fühle ich mich natürlich geehrt, dass der Papst Stellung nimmt zu unserem Magazin. Das ist natürlich eine besondere Freude und Genugtuung.

    Ok, Sie sind Katholik. Können Sie dann auch verstehen, dass viele gläubige Menschen jetzt möglicherweise verletzt sind?

    Das kann ich verstehen, habe aber mehrmals deutlich gesagt, wie dieser Titel zu verstehen ist, und wer dann immer noch auf seiner Position beharrt, der ist für mich von einem Starrsinn und einem Konfliktgeist beseelt, der nicht mehr christlich und nicht mehr katholisch ist.

    Auf der Rückseite Ihres Magazins wird Benedikt mit einem braunen Fleck unterhalb der Gürtellinie gezeigt. Das ist noch nicht geklärt – hat sich der Papst im Fantarausch in einen Marsriegel gesetzt?

    Sicher in irgendein Schokoladenprodukt. Das sind ja alles Agenturfotos, wir haben da nichts geändert.

    Gibt es Grenzen der Satire in Sachen Religion? Oder sucht sich die Titanic gezielt religiöse Themen aus, um Grenzen zu verletzen?

    Wir suchen uns gar nichts aus, das sind die Themen unserer Zeit. Wir beschließen nicht, jetzt machen wir den Papst – wir reagieren auf die aktuellen Medienberichte, und da war „Vatileaks“ das Thema.

    Thomas Goppel von der CSU wirft Ihnen jetzt „Dekadenz“ vor, man sollte Ihnen die „Lizenz zum Schreiben“ entziehen. 

    Satire benötigt keine Lizenzen. Und wenn doch, werden sie von „Titanic“ ausgestellt, weil wir die Fachleute sind, wir haben hier kundige, fähige Leute in der Redaktion. Wir haben die Oberhoheit über die Satire in Deutschland, wir sind die Satirebürokratie. Herr Goppel hat da leider nichts zu melden. Und ich werde mir selbstverständlich auch für das kommende Jahr eine Satirelizenz ausstellen.

    Hat Benedikt auf die ausgestreckte Hand reagiert? Gibt es Signale aus dem Vatikan?

    Bislang noch nicht. Ich warte immer noch auf den Anruf von ihm oder einem seiner Vertreter.

    (Text: Johannes Patzig/Interview: Lars Dittmer)

    Erschienen auf Yahoo! Nachrichten am 11. Juli 2012

  • Belgian helpline is live!

    The Belgian National Awareness Centre Clicksafe.be has today launched its safer internet helpline. Esafety specialists of various professional backgrounds are offering fast and direct advice on cyber-bullying, grooming, data protection and other eSafety issues. The service addresses especially youngsters, but also parents and teachers are asked to get in touch in case of online issues.

    „People who have trouble on the internet can contact us via four different channels“, says Childfocus spokesman Dirk Depover. There is the e-mail address clickhelp@childfocus.org, an online form, the phone number 02 / 475 44 00 and the number 0470 / 44 44 00 that answers to text messages. „Our services are offered anonymously of course“, adds Depover.

    All questions are answered with the utmost care by schooled experts who together with the caller try to find a solution. Possible issues arising could be: „A picture of me I don’t like has turned up on the internet! What can I do?“ or: „My child is bullied via text messages! How shall we react?“ Kids are encouraged to save clicksafe.be among their favourites and install an e-button that will go live soon and directly sends them to the service.

    The launch of the new helpline will be accompanied by an on- and offline media campaign addressing children, teachers and parents alike. Over the summer, around 100,000 stickers, 10,000 posters and 20,000 bookmarks will be disseminated in Belgium.

    Contact:

    Website: http://www.clicksafe.be/helpline/fr_BE

    Email-address: clickhelp@childfocus.org

    Phone: 02 / 475 44 00

    Text message: 0470 / 44 44 00

  • Re:publica – German digital rights society announced

    Following countries such as Netherlands and France, also in Germany plans for the foundation of a digital rights organisation have been made public. Markus Beckedahl, one of the organisators of the blogger conference re:publica, will announce its establishment this Wednesday on the opening of the conference in Berlin. The issue of online rights and censorship has been discussed recently – only last week, the German government has withdrawn from a policy of blocking child online abuse websites.

    „We would like to offer a kind of construction kit for online campaigning“, tells Beckedahl the magazine Der Spiegel. Other fields of interest of the organisation comprise copyright issues, open data, internet blockades, lobbying transparence and net neutrality. „We want to create an open and free digital society“ says the text on their domain – their website is scheduled to go live this Wednesday as well.

    Also the European dimension is important to Beckedahl: „I could imagine to work together with the Dutch organisation „Bits of Freedom“ and „Quadrature de Net“ from France.“ Both organisations have been dealing with digital citizenship for quite a while. But also in other European countries digital rights organisations are active.

    Only last week, the German government has withdrawn its policy to block websites containing online child abuse material. After fears of spreading censorship on the internet and an alleged lacking efficiency – the blockades could be easily doged – the government has now announced to delete these websites. The move has met with satisfaction among many digital rights activists, nevertheless many still fear an ongoing erosion of web freedom by political parties.

    image: timtim.com free non-commercial use

  • Should teachers add their pupils on Facebook?

    „Add“ or „ignore“ ones pupils on Facebook – this is the question the Austrian newspaper „Die Presse“ currently deals with in its online presence. Experts recommend an organic, nevertheless consistent approach that takes aims and personality of the respective teacher into account. They point out that teachers are often anxious of social media.

    “Teacher should use Facebook following their pedagogical philosophy”, says Barbara Buchegger of the Austrian Initiative “Safer Internet”. It is however highly recommendable to stay consistent: Either you add all your pupils who send you a request or you ignore them all.

    Buchegger adds that teachers should not mix their professional sphere and their personal sphere. Some use Facebook as a tool to provide consultation to their pupils – some consider Facebook a part of their private lives. It is also on Facebook possible to divide information flows and keep both spheres separate: people can be added to lists to receive more information or less.

    According to a study Buchegger has conducted, 35 percent of the Austrian teachers use Facebook, 37 percent of those are “friends” with their pupils. Most teachers however are too anxious of social media. However: “If you don’t post embarrassing messages, nothing can be used against you“, says Buchegger, reassuringly.

  • Wikileaks – Some Truth in the Jungle?

    As long as they are showing how evil the dictators of this world are, they are welcome. But as of recently, the whistleblower-website Wikileaks has been in the crosshairs of the US government. They have posted online around 76,000 secret documents on the war in Afghanistan, revealing immense security problems of the ISAF forces as well as brutal facts from the battlefield – and they announced the posting of another 15,000 reports. The US and other countries involved in the conflict have protested against what they call a „threat to national security“.  Wikileaks has – now to a broader public – shown what a powerful instrument it can be. This, however, does not come without risks.

    Everybody is free to upload documents – Wikileaks.org

    The „Afghan War Diary“ comprises documents dating between January 2004 and December 2009.  Most of the papers are reports from military officers – nobody knows, who has „leaked“ them. The internet platform Wikileaks offers to publish all official documents anonymously. The essence of the war logs is: this is a failing conflict. They establish a picture of massive civilian losses in the course of military operations, so-called „blue-on-white“ events,  a secret „black“ unit of special forces that hunts down Taliban leaders for „kill or capture“ without trial, and they tell us from Pakistani and Iranian involvment in the conflict – for the Taliban, of course. Also bleak news for Germany: the security situation in the Afghan north around Kundus, where the German troops operate, has deterioriated.

    In around 144 accounts, assaults on civilians are reported – with an admitted death toll of 195 persons and almost the same numer of people injured. But, as the Guardian points out, this number might be underestimated, as many incidents do not show in official documents, and often the exact numer of casualties is not known. Besides high collateral damages in airstrikes, the newspaper reports:

    The bulk of the „blue-white“ file consists of a relentless catalogue of civilian shootings on nearly 100 occasions by jumpy troops at checkpoints, near bases or on convoys. Unco-operative drivers and motorcyclists are frequent targets.

    Most civilians, nevertheless, were killed by the Talibans, who have managed to step up their roadside bombing campaign, which has killed at least 2,000 persons to date. Also some evidence linking the Pakistani secret service ISI to Taliban operations has popped up, accusations that high-ranking officers have financed, trained and supported the Taliban insurgency – vague material, hard to interpret. The Guardian admits:

    If anything, the jumble of allegations highlights the perils of collecting accurate intelligence in a complex arena where all sides have an interest in distorting the truth.

    What role can the Wikileaks dossier play in this messy situation? The documents were classified „secret“ at the time, but are no longer militarily sensitive. The danger that Taliban commanders get information about current war strategies is excluded by Leaks-founder Julian Assange. The documents, as stated, were issued between 2004 and 2009, therefore cannot bear „timely“ details of military tactics by the Allied troops, as he states.

    httpv://www.youtube.com/watch?v=-E5nrTRHSck

    The people behind Wikileaks have high-level goals. Indeed, one is not completely on the wrong track to say: They are on a mission. Their website states:

    Principled leaking has changed the course of history for the better; it can alter the course of history in the present; it can lead us to a better future.

    As an example for a possible positive result of „leaking“ they name Daniel Ellsberg, who disseminated the Pentagon Papers in the early 1970s, a 7,000 page study by the US-government about the countries involvment in Vietnam. One of the biggest „leaks“ in US history:

    Among other things, the Papers revealed that the United States government deliberately expanded its role in the war with airstrikes against Laos, raids of the coast of North Vietnam, and U.S. Marine Corps attacks before the American public was told of them, while President Lyndon B. Johnson was promising not to expand the war. The document widened the credibility gap between the U.S. government and the American people, hurting the Richard Nixon administration’s war effort.

    It turned out well in the early 1970s. However, for such complex situations such as in Afghanistan there can be no „one size fits all“- solution. And though the Wikileakers are absolutely right in their endeavour for more transparent governance and responsible information policy, providing the stone-age Islamists with valuable information around the allied forces certainly can neither be the wish of the Leakers nor the Wikileaks-staff – whether they were for or against this intervention. By the way: the current Obama government wasn’t – therefore, ousting it now would not make sense.

    US ISAF Troops in Kapisa – Some Truth in the Jungle?

    Indeed, there is room for abuse and misinterpretation: After all, with todays possibilities of retouching images and documents, reports might be found one day in the emailaccounts of the Wikileaks staff „evidencing“ all kinds of events – also data that might severely strenghten authoritarian and undemocratic regimes. The fact that also internal loyalties and internet accesses are not distributed equally among the countries might again result in biased pictures. Through the Afghan War Diaries we are delivered a relentlessly realistic bit of the „truth“ – but again only a bit. In other words:  We are more than lucky if a Taliban-whistleblower uploads internal war logs of the same value and the same size on the platform. Up to now it can be taken for granted the Islamists were delighted to read about the leaked documents.

    In addition: to interpret these documents, with the supposed outcome to correct undemocratic tendencies, it needs able and intelligent analysts and journalists. Not only in the office(s) of Wikileaks, as it can be supposed that most readers will read in newspapers about Wikileaks, not in Wikileaks itself. As indicated before – as to the outcome of the publication of secret documents, there is no automatism. If you ask me: Seeing and reading on Julian Assange, he gives an able, intelligent and honest impression. Nevertheless, besides him and his German colleague Daniel Schmitt, noone knows who is responsible for the interpretation of the material. And Assange assured that there are no details in the Afghan warlogs „endangering local informants or giving away genuine military secrets“. The newspapers Guardian, the NYTimes and the magazine Der Spiegel however deny this. We don’t know. Judged from my perspective, nevertheless, Wikileaks has the power to do a lot of good – let’s hope they do this with utmost care and responsibility.

  • Vorsicht, Polizei surft mit!

    China und Iran: Wie das Internet zur Waffe gegen Zensur und staatliche Willkür werden kann. Artikel im Tagesspiegel vom 5. Mai 2010

    Das Internet ist eine Waffe im Kampf gegen totalitäre Regime. Oppositionelle rund um die Erde vernetzen sich auf Facebook, auf Twitter und Youtube werden die Brutalitäten von Diktaturen in Windeseile verbreitet. Die „grüne“ Bewegung kämpfte im vergangenen Sommer gegen den mutmaßlichen Wahlbetrug des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad – und die Welt fieberte online mit. Das Netz wird auch genutzt, um Freiheitsbestrebungen zu unterdrücken. Zu dem Thema „Das Internet in China und Iran – Zensur und Freiheitskampf“ diskutierten in Berlin der frühere ARD-Korrespondent Peter Mezger, die iranische Dissidentin Maryam Mirza, Kay Oberbeck von Google Deutschland und Shi Ming, ein chinesischer Journalist im deutschen Exil. In China wird das Internet von rund 30 000 „Internetpolizisten“ gefiltert und zensiert. Dutzende missliebige Blogger hat das Regime bereits inhaftiert.

    Wo Internet zensiert wird. Bild: RSF/Wikipedia
    Wo Internet zensiert wird. Bild: RSF/Wikipedia

    Der Suchmaschinenanbieter Google etwa verlagerte seinen Dienst Anfang des Jahres nach Hongkong. „Es kann nicht sein, dass die Mail-Konten von Dissidenten in China gehackt werden und wir Suchergebnisse zensieren müssen“, sagte Kay Oberbeck. Die Umleitung seines chinesischen Servers sei „keine PR-Maßnahme, sonst hätten wir uns schon viel früher aus China zurückziehen müssen“. Google habe keine andere Wahl mehr gehabt. „Die Zensur durch Peking schafft ein neues Bewusstsein bei den Nutzern der Suchmaschine“, sagte Oberbeck. Die User würden nun deutlicher als bei der vorherigen Selbstzensur sehen, welche Inhalte nicht zugänglich seien.

    Dennoch sieht Shi Ming freiheitliche Tendenzen in der chinesischen Gesellschaft. Beim Ausbruch der Hand-Mund-Fuß-Krankheit 2008 etwa hatte sich eine Onlineöffentlichkeit gebildet, die sich über die Bekämpfung der gefährlichen Seuche austauschte – während die Behörden schwiegen.

    Auch das Regime in Teheran zensiert alles, was ihm missfällt. „Allein vergangenen Monat wurden 30 Onlinedissidenten verhaftet“, sagte Maryam Mirza, die im Jahr 2007 vor dem islamischen Revolutionsgericht in Teheran stand, weil sie für die Frauenrechte demonstriert hatte. Über die Medien hatte sie die Demonstrationen der „grünen Bewegung“ gegen die Wahlen 2009 begleitet, aus Sicherheitsgründen von Deutschland aus. Vor allem die Studenten hatten über Facebook und Twitter eine immense Unterstützung für ihren Kandidaten Mussawi generiert, berichtete Peter Mezger. Online wähnte man sich in trügerischer Einigkeit. Doch Ahmadinedschad konnte 62 Prozent einfahren – nach seinem mutmaßlichen Wahlsieg ging er gegen die Opposition vor.

    Einig war man sich in der Runde, dass es „ordnende“ Instanzen wie Journalisten im Informationsgewirr des Internets geben muss. Genauso wie Blogs und soziale Netzwerke pluralisieren und demokratisieren, können sie totalitären Regimen als Bühne dienen. So streuen etwa die Agitatoren der chinesischen „50-Cent-Partei“, staatlich engagierte Blogger und Internetforisten, genehme Nachrichten für die Regierung. „Alle Parteien nutzen das Netz“, sagte Shi Ming.