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  • Interview: Ein Leben ohne Geld – Wie Heidemarie Schwermer die Gesellschaft verändern möchte

    Bild: http://www.heidemarieschwermer.com/
    Kommt mit weniger aus. Heidemarie Schwermer. (Bild: http://www.heidemarieschwermer.com/)

    Ein Leben ohne finanzielle Zwänge – wer hätte das nicht gern? Heidemarie Schwermer lebt diesen Traum. Mitte der Neunziger Jahre verschenkte die heute 70-Jährige Ostpreußin ihren gesamten Besitz und gründete einen Tauschring. Seither lebt sie geldlos – und das seit 16 Jahren. Sie arbeitet gelegentlich bei Freunden und erhält dafür freie Kost und Logis. Das kapitalistische System ist ungerecht und nicht länger tragfähig, sagt sie im Interview mit Yahoo! Nachrichten. Auswandern möchte sie aber nicht – sie will die Zustände hier verändern.

    Yahoo! Nachrichten: Frau Schwermer, was besitzen Sie momentan?

    Ich habe all meinen Besitz in meinem Köfferchen. Der ist ziemlich klein – wenn ich etwas Neues geschenkt bekomme, gebe ich etwas Altes aus dem Koffer weg, sonst geht er nicht zu. Das einzige, was mir an meinem Leben nicht so gefällt, ist, dass ich den immer herumschleppen muss. Ich habe auch ein Handy, das wurde mir geschenkt, die Prepaid-Karte dazu erhalte ich von Institutionen oder Gruppen, die mich für Lesungen oder Gesprächskreise einladen und mir natürlich kein weiteres Honorar zahlen, weil ich das nicht brauche. Meine Webseite macht meine Tochter.

    Sie leben seit 16 Jahren ohne Geld: Was hat Sie dazu bewogen?

    Heidemarie Schwermer: Die vielen Arbeits- und Obdachlosen in Dortmund. Dort habe ich 1994 einen der ersten Tauschringe der Bundesrepublik gegründet, die „Gib und Nimm“-Zentrale. In einem Tauschring  werden eigene Fähigkeiten angeboten und Dinge oder Dienstleistungen empfangen, die man benötigt, ohne dass Geld dabei eine Rolle spielt. Schon im ersten Jahr habe ich gemerkt, dass ich durch das Tauschen und Teilen selbst immer weniger Geld benötigte. Am 1. Mai 1996 habe ich dann ein Experiment begonnen: ein Jahr ohne Geld leben. Ich habe alle meine Sachen verschenkt. Daraus sind inzwischen 16 Jahre geworden.

    Was haben Sie in Ihrem bürgerlichen Leben gemacht?

    Ich war erst Lehrerin, dann Psychotherapeutin, später Motopädin. Ich habe viel ausprobiert.

    Waren Sie in Ihrem vorherigen Leben unglücklich – dachten Sie „in meinem Leben läuft etwas falsch?“

    Nicht in meinem Leben: in der Welt. Die Zustände in unserer Welt stören mich, es gibt zu viel Ungerechtigkeit. Zum Beispiel sind ganze Landstriche durch Monokulturen (Baumwollanbau) zerstört, so dass ein Großteil der Bevölkerung verhungern muss, etwa in Afrika. Dort kann nichts mehr angebaut werden. Auch die ganze Verschwendung von Ressourcen ist empörend. Ich wollte etwas ändern, und bin ständig am Weitergrübeln, was ich machen könnte..

    Wie versorgen Sie sich mit Nahrung und Dingen des täglichen Gebrauchs?

    Ich bin immer irgendwo, grad bin ich bei meinem Sohn für ein paar Tage, davor war ich bei einem Freund. Ich bringe mich viel ein, überall wo ich bin, mache ich Dinge, die benötigt werden. Das sind manchmal Putzarbeiten, aber auch viel psychotherapeutische Arbeit. Die meisten Menschen haben irgendwelche Probleme und freuen sich über eine fachmännische Beratung. Im Gegenzug erhalte ich Nahrung und Unterkunft.

    Bildergalerie: Workaholics: Die weltweite „Fleiß-Statistik“
    Ihre politische Botschaft ist: Ressourcen besser nutzen?

    Genau, aber das ist nur ein Teil. Nur ein Beispiel: Neulich im Zug saß ein junger Mann hinter mir, der laut erzählte: „Ich hab ein Ticket bei dem ich eine Person immer umsonst mitnehmen darf – ich würd’s aber nie machen!“ Da dachte ich: „Schade“, weil mir ein behinderter Mann aus Österreich einfiel, ein Freund von mir. Der hat sein Leben bereichert durch die Öffnung für Fremde. Er nimmt immer jemanden mit, auch mich. Ein anderes Beispiel sind die jungen Menschen in Österreich und in Deutschland, die auf die Verschwendung im Lebensmittelbereich durch ihre Containeraktionen hinweisen.

    Brauchen Sie keinen Ort, den Sie zuhause nennen können?

    Nein, ich brauche keine Wohnung. Durch „Gib und Nimm“ habe ich sehr viele Menschen kennengelernt, viele darunter sind jetzt gute Freunde und Freundinnen, die mich gerne einladen. Ich fühle mich immer zuhause wo ich gerade bin.

    Gab es auch einmal eine Zeit, in der Sie Hunger oder Not gelitten haben?

    Es ist in einer Wohlstandsgesellschaft wie Deutschland schon schwer, Hunger zu leiden, denn irgendwie kommt man immer an Essen. Einmal allerdings habe ich ein Haus gehütet, in dem der Kühlschrank ganz leer war. Da kam eine Urangst aus dem Krieg in mir hervor, an der ich noch arbeiten musste. Eine Botschaft von mir ist nämlich, dass wir unsere Ängste anschauen und überwinden sollten.

    Muss man denn vernetzt sein, um ein Leben wie das Ihre zu leben? Was machen die schüchternen Menschen?

    Durch den ständigen Austausch, das Geben und Nehmen, lernen sich Menschen ja kennen. In unserem heutigen kapitalistischen System ist das nicht die Priorität. Da steht Konkurrenz und Abgrenzung an erster Stelle, nicht die Bereicherung durch die anderen. Durch die „Gib und Nimm“-Bewegung könnte hier Abhilfe geschaffen werden. Dafür haben wir bei „Gib und Nimm“ Aufkleber geschaffen – mit bestimmten Bedeutungen. Einmal stehen sie für den Wunsch, eine gerechtere Welt zu schaffen und zum anderen das Teilen zu lernen.  Wenn ich mir einen aufs Auto klebe, heißt das, ich nehme andere Menschen mit. Habe ich einen auf der Haustür, lade ich Menschen dazu ein, in dem „Gib und Nimm“-Haus für eine Zeit zu bleiben, auf dem Koffer zeigt es an, dass ich auch mit anderen reisen würde etc.

    Würden Sie sich als „Antikapitalistin“ bezeichnen?

    Hm, ja, doch. Das System wie es sich heute darstellt, ist nicht mehr tragbar. Wir müssen über neue Wege nachdenken. Ich glaube, ich lebe so gesehen schon die Zukunft, auch wenn ich mich nicht als Missionarin verstehe. Es gibt aber immer mehr Menschen, die neue Wege beschreiten möchten. In meiner Kindheit – in der Nachkriegszeit- habe ich am eigenen Leib mitbekommen, dass besitzlose Menschen weniger wert sind. Heute sind es Asylanten, Obdachlose, Arbeitslose, die nicht geachtet werden, weil sie nichts haben. Ich möchte nicht, dass Menschen über ihren Besitz definiert werden.

    Lesen Sie auch: Majestätsbeleidigung: Gefälschte Münzen sorgen für Eklat in Schweden
    Haben Sie sich mal gewünscht, Europa zu verlassen? Frustrieren Sie die Zustände hier nicht?

    Nein, ich will nicht aussteigen, ich hätte gerne dass sich hier etwas ändert. Nach Amerika würde ich aber gerne mal reisen.

    Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

    Ich bin grade an einem Punkt, wo ich über Neues nachdenke. Vorträge, Talkshows und andere Dinge möchte ich nicht mehr machen wie bisher. Jetzt würde ich gerne „Gib und Nimm“ mit Institutionen zusammenbringen, es breiter aufstellen, noch mehr Menschen animieren. Es gibt auf jeden Fall viel zu tun.

    Heidemarie Schwermer wurde 1942 in Memel, damals Ostpreussen, heute Litauen geboren und musste mit zwei Jahren aus ihrer Heimat flüchten. Die studierte Lehrerin und Psychotherapeutin entschloss sich 1996, nahezu komplett ohne Geld zu leben. Ihre geringe Pension verschenkt sie, ebenso wie die Erlöse ihrer zwei Bücher „Wunderwelt ohne Geld“ und „Das Sterntalerexperiment“. Seit kurzem gibt es einen Dokumentarfilm über Heidemarie Schwermer – „living without money“.

    Erschienen auf Yahoo! Finance am 21. Juni 2012

  • Facebook protest: Australia – stop importing wood from illegal sources!

    The Australian government has still not banned the import of wood from illegal sources. Other countries however act. Protest action via Facebook and BOS Deutschland in English and German by  Sean Whyte, Maik Schaffer and Lars Dittmer

    The Australian government permits the import of wood from illegal sources from the rainforests of Indonesia. Though the decision makers in the country are aware of this problem, nothing has been done to stop it yet.

    a morning in the Indonesian rainforest – pic by Maik Schaffer

    Illegal wood has been banned from the US two years ago and soon to be across all over the EU.

    Bringing the import to Australia to a halt would be a great step to preserve the natural forests of Indonesia and the species that live there – still, Orangutans are killed for the profits of illegal loggers. Australia is in a geographically important position. A ban would massively contribute to environmental and climate protection efforts. For more information, please klick here.

    The letter below is directed to Australian Senators.
    PLEASE JOIN AND SEND THE LETTER BELOW! Please add your name and your country if possible. On behalf of the suffering Orangutans, thank you!

    If you live in Australia, why not start your own letter writing campaign with friends, schools etc? It would be a great help if you were to do so.

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    Die australische Regierung erlaubt den Import von indonesischem Holz aus illegalem Einschlag. Obwohl sich die australische Regierung sich über das Problem bewusst ist, wurde bisher nichts unternommen um das zu unterbinden.

    Illegal geschlagenes Tropenholz wurde vor zwei Jahren in den USA verboten und wird in drei Jahren auch in der EU verboten sein.

    Den Import nach Australien zu unterbinden wäre ein großer Schritt zum Schutz der indonesischen Regenwälder und der dort beheimateten Arten, denn immer noch werden Orang-Utans für den Profit der illegalen Holzfäller getötet. Weiterhin befindet sich Australien in einer geographisch sehr wichtigen Position. Ein Einfuhrstopp wäre ein großer Erfolg für den Umwelt- und Klimaschutz. Weitere Informationen finden Sie hier.

    Der untenstehende Brief ist an verschiedene australische Senatoren gerichtet.
    BITTE MACHEN SIE MIT UND VERSENDEN SIE EINE E-MAIL! Bitte versehen Sie den Brief nach Möglichkeit mit Ihrem Namen und dem Wohnort. Im Namen der leidenden Orang-Utans bedanken wir uns!
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    To/an: Peter.Garrett.MP@aph.gov.au

    and CC to/und CC an:

    enquiries@petergarrett.com.au; senator.bob.brown@aph.gov.au; Stephen.Smith.MP@aph.gov.au; senator.wong@aph.gov.au; Tony.Abbott.MP@aph.gov.au; John.Cobb.MP@aph.gov.au; Greg.Hunt.MP@aph.gov.au; senator.bob.brown@aph.gov.au; kevin.rudd@aph.gov.au

    All you need do is to cut/copy and paste the letter below into a regular email. It takes no more than two minutes to do.

    Alles was Sie tun müssen, ist den untenstehenden Brief in eine E-mail zu kopieren. Sie werden nicht länger als zwei Minuten dazu benötigen.
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    Subject matter/Betreff:

    DO NOT FURTHER IGNORE THE SUFFERING OF ORANGUTANS!
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    To:
    The Hon. Peter Garrett
    Minister for Environment, Heritage and the Arts

    Dear Minister,

    Australia needs to act now!

    The impact of illegal logging is devastating the Indonesian rainforests and killing unique species like the orangutan that live there. The UN reports that in 2022, all lowland forests in Borneo will be destroyed. Often, the wood goes to Australia and from there to other countries of the West.

    The newspapers report that Australian decision makers are well informed about this situation and a ban has been discussed for years. Please could you explain to me:

    Why does the government still permit the importation of wood known to have been logged illegally?

    Other countries act. The United States has banned the import of wood from illegal sources two years ago, the EU will follow soon. Why does Australia stand idly by?

    Instead of supporting the conservation efforts, the Australian government has given money to build a road through pristine rainforest in Indonesia – that is, from Pontianak to Sintang in Western Kalimantan. Considering the fact that the new primeminister Julia Gillard has said that she favours a price on Carbon Emissions, do you know the price that Australia would have to pay?

    Thank you and I look forward to your reply.

    Yours sincerely

    Name/Country/City

    Ps.: For your interest: http://www.abc.net.au/news/stories/2010/05/28/2912546.htm
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    DEUTSCHE ÜBERSETZUNG (bitte NICHT kopieren!)

    Sehr geehrter Herr Minister,

    Australien muss unverzüglich handeln!

    Durch illegale Rodungen wird der indonesische Regenwald zerstört. Die dort lebenden Arten, Tiere wie der Orang-Utan, werden getötet oder verlieren ihren Lebensraum. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wird bis 2022 nahezu der gesamte Tieflandregenwald auf Borneo zerstört sein. Das Holz wird häufig nach Australien transportiert und geht von dort in andere Länder des Westens.

    Die Zeitungen berichten, dass Australiens Entscheider bestens informiert sind über diese Situation und ein Importverbot für diese Hölzer seit Jahren diskutiert wird. Bitte erklären Sie mir:

    Warum importiert Australien nach wie vor Holz, welches nachweislich aus illegalen Quellen stammt?

    Andere Länder handeln. Die Vereinigten Staaten haben bereits vor zwei Jahren einen Einfuhrstopp beschlossen, die EU wird bald folgen. Warum sieht Australien untätig zu?

    Statt Anstrengungen zum Umwelt- und Klimaschutz zu unterstützen, hat Australien Geld zur Verfügung gestellt, eine Straße durch unberührten Regenwald zu bauen – von Pontianak nach Sintang in Westkalimantan, Borneo. Auch angesichts der Tatsache, dass die neue Premierministerin Julia Gillard einen Preis auf Kohlendioxidemissionen fordert, frage ich: Ist sich Australien der möglichen Kosten seiner Politik bewusst?

    Für eine Antwort Ihrerseits bedanke ich mich vorab und verbleibe mit freundlichen Grüßen,

    Name/Stadt/Land

  • Das Bingospiel von Kopenhagen

    Nicht nur Regierungsvertreter, Journalisten und Umweltschützer tummeln sich auf dem UN-Klimagipfel in Kopenhagen, sondern auch Tausende Wirtschaftslobbyisten. Artikel bei Freitag.de vom 11. Dezember 2009 von Toralf Staud und Lars Dittmer

    Als „wichtigste Konferenz seit dem zweiten Weltkrieg“ hat der britische Regierungsberater Sir Nicholas Stern den UN-Klimagipfel in Kopenhagen bezeichnet. Mark Grundy nennt ihn „die weltgrößte Gelegenheit fürs Klimamarketing in den nächsten vier Jahren – mindestens“. Grundy ist PR-Berater bei der weltweit agierenden Agentur Edelman, und bereits im Oktober 2008 riet er seinen Kunden, in Kopenhagen präsent zu sein, um im „grünen Image-Krieg“ zu punkten.

    Illuminierte Weltkugel auf dem Rathausplatz in Kopenhagen (Alle Fotos: Lars Dittmer)

    Nicht nur Delegierte von 192 Regierungen tummeln sich deshalb seit Montag in der dänischen Hauptstadt, sondern auch Tausende Journalisten, Umweltschützer – und Wirtschaftslobbyisten. Ihre Zahl hat sich seit dem Klimagipfel von Kyoto 1997 etwa verdreifacht. Am Freitag gab es in Kopenhagen einen eigenen „Business Day“ mit Diskussionsveranstaltungen und Firmenpräsentationen. Einige Unternehmen dürfen sich sogar „Sponsor“ des Gipfels nennen: BMW, Mercedes und Volvo beispielsweise chauffieren Delegierte – und haben dafür Fahrzeuge mit untypisch niedrigem CO2-Ausstoß nach Kopenhagen gebracht. Auch die PR-Agentur Hill&Knowlton nutzt die Gelegenheit zur Imageverbesserung – Kritiker hatten dem US-Unternehmen in der Vergangenheit unter anderem vorgehalten, dass es im Auftrag der Tabakindustrie Zweifel an der Gesundheitsgefährdung durch Rauchen gesät oder für Kohlefirmen Stimmung gegen strenger Klimaauflagen gemacht habe.

    Längst besitzen Unternehmensvertreter auf Klimagipfeln einen eigenen Status: BINGOs werden sie im Diplomatenjargon genannt, das ist das Kürzel für Business and Industry Non-Governmental Organizations. Die Delegationen etwa der Internationalen Handelskammer ICC oder der Internationalen Emissionshandels-Vereinigung sind inzwischen größer als die vieler Staaten Früher ging es den Lobbyisten etwa von Erdöl- oder Kohlefirmen darum, strenge Umweltauflagen zu verhindern – auch in Kopenhagen versuchen dies noch die Vertreter der Luftfahrtindustrie, die bisher von Emissionsgrenzen generell ausgenommen ist. Doch seit einigen Jahren gibt es immer mehr Unternehmen, die mit Klimaschutz gutes Geld verdienen. In Kopenhagen ist nun auch der Europäische Windkraftverband präsent. „Wir alle spüren: Das ist eine Konferenz, die uns bewegt“, bekannte kürzlich der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel. „Die Wirtschaft engagiert sich in großem Maßstab und versucht, das Gipfelergebnis zu beeinflussen“, sagt Olivier Hödemann vom lobby-kritischen Verband Corporate Europe Observatory.

    Im Kopenhagener Bella Center, wo der Gipfel tagt, gibt es für die BINGOs einen eigenen Bereich mit Besprechungskabinen. Jeden Morgen, Punkt 9 Uhr, tauschen sich die Industrielobbyisten aus, was am Vortag passierte und für die nächsten Stunden zu erwarten ist. Bei den Verhandlungen selbst haben sie nur Beobachterstatus, deshalb versuchen sie vor allem am Rande des offiziellen Programms in privaten Gesprächen oder sogenannten „Side Events“ auf sich und ihre Ziele aufmerksam zu machen. Für die breite Öffentlichkeit gibt es glamouröse Auftritten beispielsweise auf dem Rathausplatz von Kopenhagen. Dort findet „Hopenhagen LIVE“ statt, eine Art Weihnachtskirmes von Umweltfirmen – oder jenen, die sich dafür halten.

    Wenn es dunkel wird am späten Nachmittag, dann leuchtet dort eine riesige Erdkugel auf – unter anderem mit dem Logo des Energieriesen Vattenfall. In einem Ausstellungswagen präsentiert der schwedische Konzern Arbeiten junger Nachwuchsdesigner. „Vattenfall hat mir die künstlerische Freiheit gegeben, die ich für mein Projekt benötigte“, sagt Ejvind Chang, einer von ihnen, in Journalistenmikrofone. Dass der Konzern in der Ex-DDR alte Braunkohlekraftwerke weiterbetreibt und nach Greenpeace-Berechnungen mit fast 900 Gramm CO2-Ausstoß pro erzeugter Kilowattstunde Strom „Deutschlands klimaschädlichster Stromanbieter“ ist – davon hat der junge Designer nie gehört.

    "Hope-Not"-enhagen.

    Die Filme der Designstudenten verarbeiten Begriffe aus dem Bereich Klimaschutz – in einem greift etwa ein „Klimasuperheld“ immer dann ein, wenn Glühbirnen zu lange brennen. „Unser Konzern möchte Leute auf eine spaßorientierte und kreative Weise zum Klimaschutz bewegen“, sagt Sprecherin Andrine Nordby. In einer Ecke können Besucher auf einem Computermonitor den Wasserstand in verschiedenen Küstenstädten um eine beliebige Anzahl von Metern steigen lassen. Die Simulation zeigt exakt, welche Straßen überschwemmt werden. „Man kann gucken, ob man überlebt“, scherzt Nordby. Dabei hängt es gerade auch von Vattenfall ab, wie lange dreckige Kohlekraftwerke den Klimawandel anheizen und wie viele Opfer die Erderwärmung in den kommenden Jahrzehnten fordern wird.

    Auf dem Screen kann man sehen, wer überlebt in Kopenhagen.
  • In Berlin am Samstag: Folgt der Karotte!

    „Viele Leute wollen was für die Umwelt tun, wissen aber nicht was“, hat Alexander Steinhart beobachtet. Er selbst immerhin hat eine Idee: Steinhart hat zusammen mit ein paar Kumpels den „Carrotmob“ nach Deutschland gebracht. Im Juni beglückten sie Cengiz Kimyeci, den Betreiber eines kleinen Kreuzberger Spätkaufs, mit einer Horde kaufwilliger Klimaaktivisten, die seine Umsätze in die Höhe schnellen ließen. Warum? Herr Kimyeci hatte zugesagt, in den Klimaschutz zu investieren. Am morgigen Samstag will der Carrotmob weiterziehen nach Mitte. Artikel bei Klimaretter.info vom 22.Oktober 2009 von Lars Dittmer

    Die Idee kommt aus den USA, und sie ist eigentlich ganz simpel. Über Mailinglisten, Twitter und Social Networks verabreden sich Aktivisten, ein Unternehmen an einem bestimmten Tag zu Alltagsbesorgungen zu besuchen. Für diese gezielt gesteigerte Nachfrage wird aber eine Gegenleistung verlangt. In einer Art Bieterverfahren können interessierte Unternehmen zuvor mitteilen, was Ihnen an Geschäfts-Weltverbesserung vorschwebt.

    Leergekauft – Carrotmob-Team im Sommer vor Kreuzberger Spätkauf (Foto: Flickr)

    Wer den größten Teil des Tagesumsatzes bereit ist, in -sagen wir – Energiesparmaßnahmen oder ähnliches zu investieren, der gewinnt die aktivisten-Laune. „Das Ergebnis ist eine klassische Win-Win-Situation“, sagt Alexander Steinhart. Es ist jedenfalls das glatte Gegenteil des klassischen Boykotts. Der Name „Carrotmob“ leitet sich ab von der englischen Phrase für das Prinzip „Zuckerbrot und Peitsche“, nämlich „Carrot and Stick“ (wörtlich übersetzt: Karotte und Stock).

    Discounter und Fleischer kommen natürlich „eher nicht in Frage“

    Diesen Samstag also wird der Berliner Carrotmob über die Salatbar Eve&Adam’s unweit des Alexanderplatzes herfallen. Neben einer schier endlosen Auswahl an Salaten und Fruchtsäften (neudeutsch: „Smoothies“) können sich die Klimafreunde hier an Müslis und Gemüsesnacks ein gutes Gewissen kaufen. Alles voll biologisch. „Es würde aus ökologischen Aspekten wenig Sinn machen, einen Laden zu stärken, der nur Fleisch aus Massentierhaltung im Angebot hat“, erklärt Alexander Steinhart. Ein Mindestmaß an Sozial- oder Nachhaltigkeitsstandards müsse das zu unterstützende Geschäft schon erfüllen. „Discounter kommen nicht in Frage. Wir wollen ja niemanden greenwashen.“

    Anfang Oktober begannen die Aktivisten um Steinhart mit dem Auswahlverfahren für den Carrotmob, der Teil des morgigen weltweiten 350.org-Aktionstags sein soll. Circa 40 Berliner Ladenbesitzer wurden angesprochen und zum wettbieten eingeladen. Bei Eve&Adams-Obersalatier Jens Riewe liefen die Carrotmobber sofort offene Türen ein: „Ich wollte eigentlich schon lang mehr Geld in Nachhaltigkeit investieren.“ Vertraglich sicherte der Bartreiber zu, 45 Prozent des Tagesumsatzes in Energiesparmaßnahmen zu stecken.

    In Erwartung der Mobster – Ronny Schulze und Jens Riewe von der Salatbar Eve&Adam's (Foto: Lars Dittmer)

    Die Potenziale dazu wurden schon im Vorfeld von einem Fachmann der Energieberatungsgesellschaft co2online eruiert. Dessen Empfehlung: Der Erlös solle in den Wechsel zu Ökostrom, eine modernere Warmwasserbereitung und ein neues Kühlregal fließen. „Für mich eine absolute Zukunftsinvestition“, sagt Jens Riewe. Zwar haben Riewe und sein Team bereits bei der Einrichtung des Ladens auf ökologische Standards geachtet (passend zum Sortiment), dennoch lohne sich der Carrotmob in jedem Fall. Nicht zuletzt natürlich wegen der „schönen Medienaufmerksamkeit“.

    Die Resonanz auf die Carrotmobs war bisher stets positiv, sagt Gründer Alexander Steinhart. Möglicherweise finde der ein oder andere Hardcore-Umweltaktivist die Idee etwas „zu glatt“ – denn statt Kritik am System werde hier Kritik im System des Konsums geübt. Steinhart jedoch hofft, durch die kooperative Aktionsform mehr Leute zu erreichen. Und außerdem „rufen wir ja auch nicht zu überflüssigem Konsumismus auf“, betont Steinhart. „Jeder soll nur die Dinge kaufen, die er ohnehin braucht.“

    Achso, und jeder kann natürlich die Idee des Carrotmob in seiner eigenen Stadt kopieren.