Kategorie: Geschichten

  • Das dicke Geschäft mit den Fans

    Artikel im Tagesspiegel vom 5. September 2010 von Lars Dittmer //Lange muss man nicht warten, sie kommen zu einem. Sie sehen etwas bulliger aus als das studentische Publikum, das sich zum Berlin-Gig der kanadischen Indieband Arcade Fire vergangenen Dienstag vor dem Tempodrom tummelt. Sie stehen etwas abseits, mit weiten Hip- Hop-Hosen und Sonnenbrillen, wechseln mal untereinander ein paar Worte, mischen sich dann wieder unter die kastenbebrillten Indiefans.

    Man merkt, dass sie die Musik nicht interessiert – sie sind hier wegen des Geschäfts. „80 Euro das Ticket“, sagt einer mit umgedrehter Kappe. Könne er auch mehr besorgen? „Mehr als zwei kriegst du nie“, sagt er misstrauisch und dreht sich schnell um. Ein dicker Kollege von ihm ist offener: Klar, man müsse sich nur festlegen, wie viele. 80 Euro verlangt auch er. Eine halbe Stunde später kostet sie bereits 100 – bei Vorverkaufspreisen von 32 Euro eine beachtliche Gewinnspanne. Für die Fans, die noch keine Karten haben, wird es eng, denn das Konzert ist schon seit Wochen ausverkauft und günstige Tickets rar.

    Nicht alle haben das Glück, The Arcade Fire so erleben zu dürfen. Bild: Anders Jensen-Urstad/Wikipedia
    Nicht alle haben das Glück, The Arcade Fire so erleben zu dürfen. Bild: Anders Jensen-Urstad/Wikipedia

    „Eigentlich gehört das verboten“, schimpft ein Wiener Architekturstudent, der extra nach Berlin gereist ist, um das Konzert zu besuchen. Die Händler haben ihn gleich in der Einfahrt zum Tempodrom angesprochen. Er hat ihnen ein überschüssiges Ticket zum Normalpreis verkauft. Die Geschäftemacherei ärgert ihn: „Die Karten werden in großen Mengen günstig eingekauft und dann, online oder vor dem Konzert, teuer abgestoßen. Die Schwarzmarkthändler treten immer wie normale Fans auf.“ So auch bei der Onlineauktionsplattform Ebay, die sich in den vergangenen Jahren zu einem der zentralen Umschlagplätze für Konzertkarten entwickelt hat. Wenige Tage vor dem Arcade-Fire-Gig wechselten hier Tickets für immense Summen den Besitzer. Ein User hatte zwei Tickets im Angebot und die Auktion bei 1 Euro angesetzt. Fünf Tage vor dem Konzert nahm er 136 Euro dafür ein. Wie man in seiner Angebotsgeschichte lesen kann, hat er drei Tage darauf ein weiteres Paar für 251 Euro verkauft. Regulär hätten zwei Tickets 64 Euro gekostet. Auch bei den Onlinebörsen Viagogo, Fansale und Seatwave konnte man noch Karten ergattern: Alle starteten bei 64 Euro, bei Seatwave gingen die Preis bis 165 Euro. Auch hier scheint es, als verkauften Fans privat – mehr als zwei Tickets werden nie angeboten.

    Es ist zu einem gewissen Grad legitim, seine Konzertkarte online zu verkaufen, denn die Veranstalter nehmen Tickets auch bei Krankheit nicht mehr zurück. „Es ist nicht zutreffend, den Wiederverkauf von Tickets generell als nicht erlaubten Schwarzhandel zu bezeichnen“, sagt Maike Fuest, Pressesprecherin von Ebay. „Die vorliegende Rechtsprechung beurteilt einen solchen Wiederverkauf bis dato widersprüchlich.“ Zumal niemand gezwungen ist, Wucherpreise zu bezahlen – gerade bei Ebay entstehen sie oft durch die Nachfrage. Schwierig ist es gleichwohl, ehrliche Fans von den Leuten zu unterscheiden, die gewerbsmäßig anbieten. Denn wie so oft verlocken rechtliche Grauzonen zum Missbrauch.

    In den Musikforen im Internet ballt sich der Frust, von systematischer Abzocke ist die Rede. Userin „Birgit 72“ ärgerte sich da über die Ticketpreise zum Berlin-Gig von Rammstein im Dezember vergangenen Jahres. Der offizielle Onlineshop der Band sei gleich zu Beginn des Vorverkaufs abgestürzt, Community-Mitglieder hatten bevorzugt Karten bekommen, und als der Shop wieder funktionierte: „Ausverkauft!“, schrieb sie. Die Karten fand sie dann bei Ebay wieder, im Sofortverkauf für 225 Euro – mehr als dreimal so hoch wie regulär. Als sie bei der Verkäuferin anfragte, ob dies tatsächlich der Preis für eine Karte sei, erhielt sie als Antwort: „Ups, verschrieben, ist für zwei Karten.“ Tags darauf stand dort wieder Stückpreis. „Die gute Frau hat 34 Auktionen mit Konzertkarten am Laufen – aus Versehen?“ ärgerte sich „Birgit 72“.

    „Der Schwarzmarkt vor allen interessanten Konzerten ist inzwischen Usus“, sagt Peter Schummel von der Konzertkasse Koka 36 in Kreuzberg. Der Schaden ist freilich nicht nur moralisch – Fans und Konzertveranstalter werden gleichermaßen ausgenommen, und die Gewinne werden nicht versteuert. „Auch bei Fußballspielen und anderen Events sind die organisierten Gruppen tätig – bundesweit“, sagt Schummel. Den Ticketbüros sind die Hände gebunden: „Bei größeren Einkäufen um 50 Tickets fragen wir nach, was mit den Karten passiert. Ansonst gibt es bei uns auch die Unschuldsvermutung.“ Könnte man Tickets nicht personengebunden verkaufen? Schummel winkt ab: „Den logistischen Aufwand einer Ausweiskontrolle kann man bei Tausenden von Fans nicht mehr stemmen.“

    Bei Senat und Polizei ist man ebenfalls ratlos. „Der Konzertkartenschwarzmarkt ist Teil des Zivilrechts, die Veranstalter müssen Anzeige erstatten“, sagt Guido Busch, Pressesprecher der Berliner Polizei. Diesen fehlen aber die Kapazitäten, bei Hunderten von Fällen einzuschreiten. Schwarzmarkthändlern kann auf dem Konzertgelände zwar aufgrund des Hausrechts ein Platzverweis gegeben werden, sie können dann aber auf der Straße weitermachen. Diese Erfahrung hat das Concertbüro Zahlmann, ein großer Berliner Veranstalter, bereits gemacht. Welche Verluste durch den Schwarzmarkt entstehen, ist schwer zu sagen: „Den Schaden kann man nicht beziffern, wir haben nicht das Personal, das im großen Stil einzuschätzen“, sagt Manfred Müller vom Concertbüro. Wer den organisierten Schwarzmarkt betreibt und wie hoch die Steuerausfälle sind, ist nicht bekannt. Gibt es gar kein Mittel, Ticketdealern das Handwerk zu legen? „Im Prinzip wäre es einfach, wenn jeder nur den Originalpreis für eine Konzertkarte zahlen würde“, sagt Peter Schummel. „Solange Wahnsinnspreise für die Tickets bezahlt werden, müssen wir mit dem Schwarzmarkt leben.

  • Press Release: Free At Last: First rehabilitated orangutan in 9 years to be released

    Indonesia Forestry Ministry issues decree allowing orangutan release in restored timber concession forest Press Release by BOS Germany, translation and editing by Lars Dittmer

    Bogor, Indonesia, 20 Aug 2010: The Borneo Orangutan Survival Foundation (BOSF) announced today that it would, for the first time in 9 years, release a rehabilitated captive orangutan back into the wild. The long-awaited release was finally facilitated by the issuance of a special Ministerial Decree by the Indonesian Forestry Minister dated August 18, 2010, which will allow the release of the orangutan into a former timber concession restored into natural forest by PT Orangutan Habitat Restoration Indonesia. The restored forest is located in the East Kutai district of East Kalimantan, Indonesia.

    Releases in Indonesia ahead

    PT Orangutan Habitat Restoration is a forest rehabilitation company established by BOSF for the purpose of creating a suitable area to release rehabilitated orangutans currently living in BOSF rehabilitation centers in Kalimantan.

    The release is the first step toward the release of all captive orangutans in Indonesia by 2015 as directed in December 2007 by the Indonesian government at Nusa Dua Bali. For the past 8 years BOSF has been unable to release rehabilitated orangutans back to the wild due to a lack of suitable habitat for the releases. The Forestry Ministry Decree has now, for the first time, opened the door for BOSF to begin releasing the formerly captive orangutans it has rehabilitated for survival in the wild.

    The release area was selected because of its conditions are near perfect for the survival process for newly released orangutans. It is an 86,450 hectare site in which there is a low density of wild orangutans living in that forest area. Generally, around 30,000 hectares are required to support 250 orangutans. The topographical conditions in the restored forest area are near perfect, with an altitude of 750 meters above sea level and well-stocked with tree species which provide shelter and food for wild orangutans. It is also safe from human threats as the local inhabitants are highly supportive of the release program.

    At the present time, BOSF has some 838 orangutans in its rehabilitation centers, with 612 in the Central Kalimantan Reintroduction Center in Nyaru Menteng and another 226 in the East Kalimantan Reintroduction Center in Samboja Lestari.

    The historical release process began during a courtesy call by the Board of Trustees and Board of Directors in April of this year to then forestry minister Zulkifli Hasan, who voiced his full support for the BOSF release program. The August 18 Ministerial Decree is a direct outcome of that visit.

    “Now we can begin to concentrate on the next step, the preparation of new habitats,” said BOSF CEO Togu Manurung. “There is still much that we have to do,” he added, “but at least this is a good start for all of us”, he concluded.

    Manurung further said that the issuance of the decree was did a great service to the BOSF as it will allow the organization to begin to realize its goals. The first priority, he said , was the release of Bornean Orangutans into their natural habitat with the help of local populations.

    “The government has now started the process of issuing permits for us to take control of suitable land for orangutan release,” said the BOSF Chairman of the Board of Trustees, Professor Bungaran Saragih, a former Minister of Forestry. “We must release all captive orangutans back into the wild. They have for too long been living in cages,” said Professor Saragih.

    Pressemitteilung von BOS Deutschland: Endlich frei!
    Nach 9 Jahren wildert die BOS Foundation den ersten rehabilitierten Orang-Utan im Regenwald Borneos aus: ein Dekret des indonesischen Forstministeriums macht den Weg frei für eine Auswilderung in einem wiederhergestellten Regenwaldstück, das früher Konzessionsgebiet eines Holzkonzerns war.

    Bogor, Indonesien, 20. August 2010: Die Borneo Orangutan Survival Foundation (BOSF) hat angekündigt, dass sie zum ersten Mal seit 9 Jahren einen rehabilitierten Orang-Utan auswildern wird. Die lange erwartete Freilassung wurde ermöglicht durch ein Dekret des Forstministeriums vom 18. August 2010, das als Zielgebiet ein wiederhergestelltes Regenwaldstück in Ost-Kutai, Ostkalimantan definiert. Bei dem Areal handelt es sich um das ehemalige Operationsgebiet eines Holzkonzerns, das von der BOS-eigenen Firma PT Orangutan Habitat Restoration (PT RHOI) in naturnahen Regenwald umgewandelt worden war.

    Endlich frei! Borneo Orang-Utan beim kraxeln

    „Die Regierung hat nun begonnen, uns Genehmigungen zu übertragen, die Kontrolle über geeignete Auswilderungsareale zu übernehmen“, sagte Professor Bungaran Saragih, Aufsichtsratvorsitzender der BOS Foundation und früherer indonesischer Forstminister. Das Auswilderungsgebiet weist nahezu perfekte Bedingungen für die Tiere auf. Es umfasst 86.450 Hektar, in denen nur wenige wildlebende Orang-Utans heimisch sind. Eine Population von 250 Orang-Utans benötigt ein Habitat von etwa 30.000 Hektar. Die topographischen Bedingungen in dem Gebiet sind exzellent; es liegt etwa 750 Meter über dem Meeresspiegel und verfügt über zahlreiche Baumarten, die Unterschlupf und Nahrung bieten. Eine Gefährdung durch Menschen besteht nicht – die heimische Bevölkerung zeigt große Sympathien für das Projekt und hat Unterstützung signalisiert.

    Den Anstoß zu diesem historischen Prozess gab ein Besuch des Aufsichtsrats und der Geschäftsführung der BOS Foundation im April diesen Jahres bei Forstminister Zulkifli Hasan. Der Minister sicherte zu, das Auswilderungsprogramm der BOS Foundation zu unterstützen. Das Dekret vom 18. August ist ein direktes Resultat dieses Treffens. „Der Beschluss des Ministeriums ist eine große Hilfe für die Arbeit der BOS Foundation“, so Togu Manurung, der Vorsitzende der BOS Foundation. „Wir können endlich unsere Ziele in Angriff nehmen. Das wichtigste davon ist, die Orang-Utan-Population Borneos in ihren angestammten Lebensraum auszuwildern – mit Hilfe der lokalen Bevölkerung.“

    PT RHOI ist ein Unternehmen, das Wälder regeneriert. Es wurde von der BOS Foundation geschaffen, um geeignete Gebiete zur Auswilderung jener Orang-Utans zu schaffen, die sich derzeit in der Obhut von BOS befinden. Von den 838 Orang-Utans in ihrem Rehabilitationsprogramm leben etwa 612 in der Rehabilitationsstation Nyaru Menteng in Zentralkalimantan und 226 in Samboja Lestari in Ostkalimantan.

    Die indonesische Regierung hat 2007 auf Nusa Dua, Bali, angekündigt, dass bis 2015 alle Orang-Utans, die sich momentan in Rehabilitationsstationen befinden, wieder im Regenwald leben sollen. In den vergangenen 8 Jahren konnte die BOS Foundation keine rehabilitierten Orang-Utans auswildern, weil die geeigneten Gebiete dazu nicht vorhanden waren. Mit dem Ministerialdekret hat Indonesien der BOS Foundation nun den Weg geebnet, die rehabilitierten Tiere in die Wildnis zu entlassen.

    „Wir werden uns nun auf den nächsten Schritt konzentrieren, nämlich neue Habitate zu gewinnen“, sagte Manurung. „Es gibt immer noch viel zu tun, aber dies ist zumindest ein guter Start für uns.“

  • Studie be- und entlastet Sinar Mas nach Rodungsvorwürfen

    Der Agrarkonzern habe zwar keinen Primärregenwald gerodet, Sekundärwälder und Torfmoore aber schon – Greenpeace hält Beschuldigungen aufrecht – Artikel auf www.bos-deutschland.de

    Mit lächelndem Kind sehen Ölpalmenplantagen gar nicht so tot aus, wie sie eigentlich sind – Eigenwerbung der PT Smart (Screenshot BOS Deutschland)

    Die PR-Schlacht zwischen Greenpeace und dem indonesischen Konzern Sinar Mas geht in die nächste Runde. Wie das Magazin Mongabay.com berichtet, hatten Umweltschützer der Sinar-Mas-Tochter PT Smart vorgeworfen, Primärregenwald und Orang-Utan-Habitat für den Anbau von Ölpalmenplantagen zu roden. Eine jüngst erschienene, unabhängige Studie entlastete den Konzern zwar in diesem Bereich, zeigte aber, dass er Torfmoore gerodet hatte. Beide Seiten erklärten sich zum Sieger – ehemalige Geschäftspartner von Sinar Mas zögern indes, die Beziehungen wieder aufzunehmen.

    „Die Studie bestätigt unsere Vorwürfe in großen Teilen“, sagte Bustar Maitar, Regenwaldcampaigner bei Greenpeace-Südostasien. „Es ging ganz klar daraus hervor, dass Sinar Mas Regenwälder und Torfmoore gerodet hat, und dies ohne die notwendigen Genehmigungen.“ Der Konzern habe erneut gezeigt, dass er etwas sage, und das genaue Gegenteil davon mache. Er zerstöre Torfmoore und nenne dies Wassermanagement. Er rode Wälder und nenne dies die Entwicklung von degradiertem Land, so Maitar.

    Bei PT Smart sieht man die Ergebnisse der Studie naturgemäß etwas anders. „Die Studie hat bewiesen, dass die Beschuldigungen größten Teils haltlos sind. Smart ist nicht verantwortlich für die Rodung von Orang-Utan-Lebensraum in Indonesien, wie Greenpeace behauptet hatte“, hieß es in einer Erklärung des Konzerns, die Reuters vorliegt.

    Ehemalige Geschäftspartner von PT Smart bleiben derweil skeptisch, zumal für die Studie lediglich 40 Prozent der Konzessionen des Konzerns untersucht wurden – die Plantagen in Neu Guinea etwa waren darin nicht berücksichtigt. Unilever erklärte, das Palmöl des Unternehmens nicht mehr zu kaufen, so lang der Konzern nicht das Siegel des Runden Tisches für Nachhaltiges Palmöl (RSPO) erhält.

    Quelle: Mongabay.com, Reuters, Lars Dittmer, BOS-Deutschland

  • „Pony“ – ein Orang-Utan im Bordell

    Die schlimme Geschichte des Orang-Utan-Weibchens Pony berichtet Michelle Desilets im englischen Interview mit dem Magazin „Vice“, Übersetzung für die Webseite von BOS Deutschland von Lars Dittmer

    Darf man vorstellen? Pony. Sie ist ein Orang-Utan-Weibchen aus einem kleinen Dorf auf Borneo, wo sie den gesamten Regenwald niedergeholzt haben, um Palmöl herzustellen, das ins Ausland verkauft wird, um zu Lippenbalsam, Speiseeis, Schokoladen und Käsekräcker verarbeitet zu werden.

    Hat eine unbeschreibliche Horrorgeschichte hinter sich: Orang-Utan-Weibchen Pony

    Vice Magazin: Bitte erzählen Sie uns die Geschichte von Pony.

    Michelle Desilets (Begründerin von BOS UK und Vorstandsmitglied von BOS Deutschland):

    Pony ist ein Orang-Utan aus einem Prostituiertendorf in Borneo. Als wir sie fanden, lag sie auf einer Matratze und war an eine Mauer gekettet. Sie war am ganzen Körper rasiert.

    Ich möchte am liebsten heulen.

    Wenn sich ihr ein Mann näherte, drehte sie sich um, präsentierte sich und begann, sich rythmisch zu bewegen. Sie wurde als Sexsklavin gehalten. Eine ältere Dame hatte sie über viele Jahre in Gefangenschaft gehalten – als wir Pony fanden, war sie etwa sechs oder sieben Jahre alt. Die ältere Dame war aber absolut nicht bereit, das Tier frei zu geben, denn alle liebten Pony und war sie war fester Bestandteil ihres Einkommens. Sie waren außerdem der Meinung, dass Pony ein Glücksbringer sei, da sie bereits richtige Tipps in der Lotterie gegeben habe.

    Haben die Kunden denn realisiert, dass sie einen Orang-Utan bekamen?

    Na klar, extra deswegen sind sie gekommen. Wenn sie wollten, bekamen sie einen Menschen, aber für viele Männer war es etwas Neues, mit einem Orang-Utan Sex zu haben. Gelegentlich rasierten sie Pony, was dazu führte, dass ihre Haut mit Pickeln übersät und gereizt war. Obendrein bekam sie ein Problem mit den Moskitos – weil sie ständig an den Stichen kratzte, wurden diese septisch und entzündeten sich. Sie hatten ihr Ringe und Halsketten angezogen – es war ein absolut hässlicher Anblick.

    Wie habt Ihr sie da raus bekommen?

    Wir haben über ein Jahr benötigt. Jedes Mal, wenn wir mit der Forstpolizei und örtlichen Polizeibeamten dort ankamen, wurden wir überwältigt von den Dorfbewohnern, die sie einfach nicht freilassen wollten. Sie haben uns dann mit Pistolen und Messern mit vergifteten Spitzen bedroht. Letztlich bedurfte es 35 Polizisten bewaffnet mit AK-47-Sturmgewehren und anderen Waffen, die in das Bordell stürmten und die Herausgabe des Menschenaffen forderten. Der Einsatz wurde von einem Filmteam aus der Gegend gefilmt. In der Szene, in der wir Pony von ihren Ketten befreien, hört man die ältere Dame im Hintergrund hysterisch kreischen: „Sie nehmen mir mein Baby weg, das könnt Ihr nicht machen!“ Es gibt keine Strafverfolgung dafür in Indonesien, daher wurden diese Leute rechtlich nie belangt für ihre Taten.

    Das englische Original im Magazin Vice.

    Quelle: Vice Magazine, BOS-Deutschland

  • Facebook protest: Australia – stop importing wood from illegal sources!

    The Australian government has still not banned the import of wood from illegal sources. Other countries however act. Protest action via Facebook and BOS Deutschland in English and German by  Sean Whyte, Maik Schaffer and Lars Dittmer

    The Australian government permits the import of wood from illegal sources from the rainforests of Indonesia. Though the decision makers in the country are aware of this problem, nothing has been done to stop it yet.

    a morning in the Indonesian rainforest – pic by Maik Schaffer

    Illegal wood has been banned from the US two years ago and soon to be across all over the EU.

    Bringing the import to Australia to a halt would be a great step to preserve the natural forests of Indonesia and the species that live there – still, Orangutans are killed for the profits of illegal loggers. Australia is in a geographically important position. A ban would massively contribute to environmental and climate protection efforts. For more information, please klick here.

    The letter below is directed to Australian Senators.
    PLEASE JOIN AND SEND THE LETTER BELOW! Please add your name and your country if possible. On behalf of the suffering Orangutans, thank you!

    If you live in Australia, why not start your own letter writing campaign with friends, schools etc? It would be a great help if you were to do so.

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    Die australische Regierung erlaubt den Import von indonesischem Holz aus illegalem Einschlag. Obwohl sich die australische Regierung sich über das Problem bewusst ist, wurde bisher nichts unternommen um das zu unterbinden.

    Illegal geschlagenes Tropenholz wurde vor zwei Jahren in den USA verboten und wird in drei Jahren auch in der EU verboten sein.

    Den Import nach Australien zu unterbinden wäre ein großer Schritt zum Schutz der indonesischen Regenwälder und der dort beheimateten Arten, denn immer noch werden Orang-Utans für den Profit der illegalen Holzfäller getötet. Weiterhin befindet sich Australien in einer geographisch sehr wichtigen Position. Ein Einfuhrstopp wäre ein großer Erfolg für den Umwelt- und Klimaschutz. Weitere Informationen finden Sie hier.

    Der untenstehende Brief ist an verschiedene australische Senatoren gerichtet.
    BITTE MACHEN SIE MIT UND VERSENDEN SIE EINE E-MAIL! Bitte versehen Sie den Brief nach Möglichkeit mit Ihrem Namen und dem Wohnort. Im Namen der leidenden Orang-Utans bedanken wir uns!
    __________________________________________________________

    To/an: Peter.Garrett.MP@aph.gov.au

    and CC to/und CC an:

    enquiries@petergarrett.com.au; senator.bob.brown@aph.gov.au; Stephen.Smith.MP@aph.gov.au; senator.wong@aph.gov.au; Tony.Abbott.MP@aph.gov.au; John.Cobb.MP@aph.gov.au; Greg.Hunt.MP@aph.gov.au; senator.bob.brown@aph.gov.au; kevin.rudd@aph.gov.au

    All you need do is to cut/copy and paste the letter below into a regular email. It takes no more than two minutes to do.

    Alles was Sie tun müssen, ist den untenstehenden Brief in eine E-mail zu kopieren. Sie werden nicht länger als zwei Minuten dazu benötigen.
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    Subject matter/Betreff:

    DO NOT FURTHER IGNORE THE SUFFERING OF ORANGUTANS!
    __________________________________________________________

    To:
    The Hon. Peter Garrett
    Minister for Environment, Heritage and the Arts

    Dear Minister,

    Australia needs to act now!

    The impact of illegal logging is devastating the Indonesian rainforests and killing unique species like the orangutan that live there. The UN reports that in 2022, all lowland forests in Borneo will be destroyed. Often, the wood goes to Australia and from there to other countries of the West.

    The newspapers report that Australian decision makers are well informed about this situation and a ban has been discussed for years. Please could you explain to me:

    Why does the government still permit the importation of wood known to have been logged illegally?

    Other countries act. The United States has banned the import of wood from illegal sources two years ago, the EU will follow soon. Why does Australia stand idly by?

    Instead of supporting the conservation efforts, the Australian government has given money to build a road through pristine rainforest in Indonesia – that is, from Pontianak to Sintang in Western Kalimantan. Considering the fact that the new primeminister Julia Gillard has said that she favours a price on Carbon Emissions, do you know the price that Australia would have to pay?

    Thank you and I look forward to your reply.

    Yours sincerely

    Name/Country/City

    Ps.: For your interest: http://www.abc.net.au/news/stories/2010/05/28/2912546.htm
    __________________________________________________________

    DEUTSCHE ÜBERSETZUNG (bitte NICHT kopieren!)

    Sehr geehrter Herr Minister,

    Australien muss unverzüglich handeln!

    Durch illegale Rodungen wird der indonesische Regenwald zerstört. Die dort lebenden Arten, Tiere wie der Orang-Utan, werden getötet oder verlieren ihren Lebensraum. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wird bis 2022 nahezu der gesamte Tieflandregenwald auf Borneo zerstört sein. Das Holz wird häufig nach Australien transportiert und geht von dort in andere Länder des Westens.

    Die Zeitungen berichten, dass Australiens Entscheider bestens informiert sind über diese Situation und ein Importverbot für diese Hölzer seit Jahren diskutiert wird. Bitte erklären Sie mir:

    Warum importiert Australien nach wie vor Holz, welches nachweislich aus illegalen Quellen stammt?

    Andere Länder handeln. Die Vereinigten Staaten haben bereits vor zwei Jahren einen Einfuhrstopp beschlossen, die EU wird bald folgen. Warum sieht Australien untätig zu?

    Statt Anstrengungen zum Umwelt- und Klimaschutz zu unterstützen, hat Australien Geld zur Verfügung gestellt, eine Straße durch unberührten Regenwald zu bauen – von Pontianak nach Sintang in Westkalimantan, Borneo. Auch angesichts der Tatsache, dass die neue Premierministerin Julia Gillard einen Preis auf Kohlendioxidemissionen fordert, frage ich: Ist sich Australien der möglichen Kosten seiner Politik bewusst?

    Für eine Antwort Ihrerseits bedanke ich mich vorab und verbleibe mit freundlichen Grüßen,

    Name/Stadt/Land

  • Abgeblitzt

    Prince spielt am Montag auf der Waldbühne in Berlin. Doch das Blitzlicht könnte für den Popstar weniger grell ausfallen als erwartet. Denn Fotografen bekommen vor Konzerten immer öfter Knebelverträge vorgesetzt. Artikel im Tagesspiegel vom 5. Juli 2010 von Lars Dittmer//

    Prince im Frühjahr 2010 – fotografiert von Nicolas Genin (Wikipedia)

    Es soll eine spektakuläre Show werden, wenn Prince an diesem Montag sein einziges Deutschlandkonzert auf der Waldbühne in Berlin gibt. Doch während der Popstar im Scheinwerferlicht steht, könnte es vom Platz der Fotografen weniger grell blitzen als erwartet. Viele Bildjournalisten hatten am Freitag weder eine Akkreditierung für das Konzert, noch kannten sie die Bedingungen, unter denen sie Prince überhaupt ablichten dürfen.

    Mit solchen Schwierigkeiten sind Fotografen bei Auftritten von Stars immer öfter konfrontiert. Erst Anfang Juni forderte etwa das Management von Rammstein vor den Festivals „Rock am Ring“ und „Rock im Park“, die auf den Gigs gemachten Bilder nur an ein Medium zu verkaufen und dann der Band zur Verfügung zu stellen. Andere Stars verlangen, die Bilder vor der Veröffentlichung zu sehen oder die Rechte für die Bilder komplett übertragen zu bekommen. Das Material anschließend mehrfach zu verwenden oder zu archivieren, ist dann nicht mehr möglich. Für Konzertfotografen, die von einer Streuung der Bilder leben, eine finanzielle Katastrophe. „Von 40, 50 Euro pro Termin kann niemand leben“, sagt Sven Darmer, Chef der Bildagentur „Davids“ in Berlin. Die Folge: Immer mehr Konzertfotografen arbeiten vertragsbrüchig.

    Auch während der Konzerte kämpfen Fotografen gegen härtere Arbeitsbedingungen. Statt vor der Bühne werden sie weit entfernt in der Nähe des Mischpults platziert. Notgedrungen akzeptieren die Fotografen inzwischen, dass die meisten Musiker nur während der ersten drei Lieder Fotos erlauben – ohne Blitz. „Die Stars fangen dann an zu schwitzen, das ist nicht mehr so schön“, witzelt Darmer. Wenn allerdings der ohnehin schon knappe Zeitraum noch mehr verkürzt wird – Robbie Williams etwa erlaubte bei seinem Konzert in Berlin 2009 Fotos nur während der ersten zwei Lieder, Madonna gab den Fotografen im Berliner Olympiastadion 2008 lediglich vier Minuten – ist vernünftige Arbeit kaum noch möglich.

    Doch es geht den Musikern nicht allein um die komplette Kontrolle über die Bilder. „Auch die illegale Vermarktung von Fanartikeln könnte viele Stars aufgeschreckt haben“, sagt Dirk von Borstel, Bildchef der Nachrichtenagentur ddp. Freilich ist nach deutschem Recht Zensur unzulässig, und die Fotografen haben das Urheberrecht über ihre Fotos. Dennoch gilt auch bei den Konzerten von Megastars, bei denen öffentliches Interesse besteht, das Hausrecht. Und darüber kann die Pressefreiheit beschnitten werden. Letztlich entscheidet der Wortlaut des Vertrages, und der ist verhandelbar. „Die Verträge sind allerdings meist in Englisch und wenn darin ,Gerichtsort New York’ steht, ist so mancher Kollege eingeschüchtert“, so von Borstel.

    Michael Konken, Chef des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), hatte geraten, die „Knebelverträge“ von Rammstein nicht zu unterzeichnen. „Immer häufiger solidarisieren sich die Medien“, sagt Eva Werner, stellvertretende Pressesprecherin des Verbands. So boykottierten die Nachrichtenagenturen DPA, ddp und AP im vergangenen Jahr den Berliner Auftritt von Britney Spears – und berichteten gar nicht. Verschiedene deutsche Tageszeitungen zeigten in der Vergangenheit schon mal einen leeren Kasten anstatt eines Stars. Doch oft sitzen die Bands am längeren Hebel. So hatte DJV-Chef Michael Konken zwar Rammstein aufgefordert, unbeschränktes Fotografieren zu ermöglichen. Eine Antwort bekam er bis heute jedoch nicht.

  • Anwohner im Graefekiez fürchten Verdrängung

    Der Graefekiez wird zur bevorzugten Wohngegend – und die Mieten steigen. Der Druck auf Alteingesessene und Ärmere wächst. Eine Anwohnerinitiative will bedrängte Mieter unterstützen und die Mischung im Kiez erhalten. Artikel im Tagesspiegel vom 1. Juli 2010 von Lars Dittmer//

    Es hat einen Hauch von südländischer Kleinstadtidylle, und das mitten in Berlin. Radfahrer strampeln durch grün gesäumte Altbaustraßen, Eisdielen bieten italienische Spezialitäten, cooles Jungvolk mit Sonnenbrillen sitzt vor Straßencafés. Der Graefekiez im Süden Kreuzbergs ist für manche die Toskana von Berlin. Früher ein „Einfache-Leute-Kiez“, zieht das Gebiet zwischen Hermannplatz und Südstern heute eine besser verdienende Klientel an. Der Druck auf Alteingesessene und Ärmere wächst.

    Luxusimmobilien im Graefekiez – Foto: Kai-Uwe Heinrich

    „Wir haben hier teils schon Mieten wie in Zehlendorf, und das bei Wohnungen von überwiegend einfacher Lage“, sagt Martin Breger von der Miet AG, einer im Graefekiez ansässigen Initiative. Die zehnköpfige Gruppe hat sich nach dem „Graefe-Gipfel“ im Frühjahr 2009 zusammengeschlossen um die Aufwertungstendenzen zu beobachten, bedrängte Mieter zu unterstützen und die Öffentlichkeit durch politische Arbeit und Kiezspaziergänge zu informieren. „Als erstes trifft es Rentner, Hartz-IV-Empfänger und das migrantische Gewerbe“, sagt Breger. „Wir kämpfen dafür, dass die schöne Mischung hier im Kiez erhalten bleibt.“

    Im Graefekiez kommen mehrere Entwicklungen zusammen. Während die Bevölkerung in den anderen Kreuzberger Kiezen SO36 und Bergmannstraße relativ konstant blieb, stieg sie seit 2004 hier um 8,9 Prozent, berichtet die TOPOS-Studie 2008. Und obwohl der Kiez etwas wohlhabender ist als das Gebiet östlich des Kottbusser Tors, verdient der Kiezbewohner rund 25 Prozent weniger als der Bundesdurchschnitt. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 19 Prozent. „Das große Jobwunder ist hier ausgeblieben“, so Breger.

    Die Zuzügler hingegen stehen überwiegend in Lohn und Brot. Für viele Westdeutsche und gut situierte Ausländer sind die Kreuzberger Wohnungen auch nach der Sanierung noch günstig. Dies wissen viele Vermieter – und drehen durch Mietsteigerungen, Umwandlungen in Eigentumswohnungen und opulente Sanierungen an der Kostenspirale. Die Miet AG hat errechnet, dass der durchschnittliche Quadratmeterpreis bei Neuvermietungen von Ein- bis Zwei-Zimmerwohnungen inzwischen bei 7,63 Euro liegt, rund 40 Prozent über dem Mietspiegelmittelwert. Für mittellose Künstler oder Hartz-IV-Empfänger gibt es kaum noch erschwinglichen Wohnraum.

    In der Graefestraße werden in den Gewerbehöfen eines Klinkeraltbaus momentan Loftwohnungen geschaffen. Bei einem Quadratmeterpreis von neun Euro wird auch hier eine gut situierte Mittelschicht angesprochen. Was bei der Neuschaffung von Wohnraum nicht so problematisch ist. Anderswo werden angestammte Mieter aus ihren Wohnungen verdrängt. So berichtet eine Mieterin aus der Körtestraße 14 von „Schikanen“ ihres Vermieters. Wasserschäden werden nicht repariert, aber in verlässlichen Intervallen flattern Mieterhöhungen und Briefe mit Auflagen ins Haus. Gesetzlich dürfen Mieten alle drei Jahre um 20 Prozent erhöht werden, bei Neuvermietungen sind sie jedoch frei verhandelbar. „Meine Nachbarn sind West-Studenten, die zahlen schon jetzt viel mehr als ich“, sagt sie. Altmieterinnen wie sie werden da zum Störfaktor.

    In der nördlichen Fichtestraße gibt es kaum noch Mieter, nur noch Eigentümer – mit dem Ausbau des Fichtebunkers wurde 2008 ein Renommierprojekt fertiggestellt. Die luxuriösen Wohnungen sind bei Preisen um 700 000 Euro alle verkauft. Auf dem Nachbargrundstück, einem zeitgleich entstandenem Neubau mit Loftwohnungen, schützt ein Zaun die Mieter in ihren Gärten. Errichtet wurde der Zaun in weiser Voraussicht; Ähnlich wie bei der „Carloft“-Immobilie in der Liegnitzer Straße schmissen auch hier Chaoten immer wieder Farbbeutel gegen die Fassade – während des Baus sogar einen Brandsatz.

    Der Graefekiez ist ein Quartier im Süden Kreuzbergs

    Maria Druckenthaner, Schriftstellerin und langjährige Bewohnerin der Fichtestraße, war Mitbegründerin einer Kiezinitiative gegen den Ausbau des Bunkers. Auch ihr Vermieter wollte sie loswerden. „Ich war nur zwei Mal für wenige Tage im Verzug mit der Mietzahlung, da bekam ich schon eine Kündigung“, sagt sie. Unrechtmäßig, wie sich vor Gericht herausstellte. Gegen die Wucherpreise in ihrem Haus hat sie sich mit anderen Bewohnern organisiert. Neuankömmlinge bittet der Vermieter inzwischen mit saftigen 10,14 Euro pro Quadratmeter zur Kasse. Bei einem Altbau in einfacher Lage sind das 120 Prozent über dem Mietspiegelmittelwert.

    Bei den Kreuzberger Grünen ist man etwas ratlos angesichts der Situation. „Solange der Senat keinen Wohnungsnotstand feststellt, kann man juristisch gegen Mietwucher nicht vorgehen“, sagt Hans Panhoff, Mitglied des Ausschusses für Stadtplanung und Bauen der Bezirksverordnetenversammlung. Zwar greift beim Graefekiez der Milieuschutz, der alle Sanierungsmaßnahmen über einen durchschnittlichen Standard genehmigungspflichtig und die Mietspiegelmittelwerte zu De-facto-Mietobergrenzen bei Neuvermietungen macht. Nur wissen dies die wenigsten Zuzügler und melden kaum Verstöße. Bei der Stadtentwicklungsverwaltung ist man sich bewusst, dass die Vermieter den Rahmen bei Neuvermietungen schon mal sprengen: „Insgesamt gelingt das in Berlin aber nur sehr punktuell, da es stadtweit preiswerten verfügbaren Wohnraum gibt“, heißt es auf Anfrage. Bleibt also nur der Wegzug aus der Toskana.

  • Singen ist Silber

    Culture Clash im Kino macht meistens Spaß. Schließlich öffnet das Zusammentreffen möglichst verschiedener Lebensweisen reichlich Raum für Überspitzungen. Bollywood in den Berner Alpen: „Tandoori Love“. Artikel im Tagesspiegel vom 27. Mai 2010 von Lars Dittmer

    Regisseur Oliver Paulus etwa wollte immer schon mal Schweizer und Inder aufeinander loslassen. In „Tandoori Love“ ist erst mal alles wunderbar: Ein Bollywood-Team eine Schmonzette vor malerischem Berner Alpenpanorama. Nur Koch Rajah (Vijay Raaz) schiebt Frust – er fühlt seine Leistungen vom Team nicht ausreichend gewürdigt und wird zudem von der Diva (Shweta Argawal) tyrannisiert. Da macht es sich gut, dass er einer rotblonden Schönheit namens Sonja (Lavinia Wilson) auf den ersten Blick verfällt. In einem Supermarkt – begleitet von einem Chor anderer Kunden – bringt er ihr ein bollywoodeskes Liebesständchen.

    Was fürs Auge – schöne Landschaftsschwenks durch die Berner Alpen (hier der Finsteraarhorn bei Wikipedia)

    Sonja ist allerdings mit Markus (Martin Schick) verlobt, der mit seiner Mutter das rustikale Restaurant „Zum Hirschen“ betreibt. In dem dringenden Wunsch, bei Sonja zu landen, heuert Rajah im „Hirschen“ an und verwandelt das Lokal in eine feurige indische Spezialitätenhölle. Langsam erobert er damit Sonjas Herz – aber was wird dann aus Markus?

    Berge, Seen, Heidi: Schon in den Sechziger Jahren entdeckte die indische Filmindustrie die Schweiz und stilisierte sie zum Paradies. Seitdem sind Urlaubsorte wie Interlaken Ziel zahlloser asiatischer Gäste. Bollywood-Filmproduktionen lassen hier ihre Stars lieben, singen, leiden. Leider trägt zum Leiden der Zuschauer auch Regisseur Oliver Paulus bei.

    Das Problem: Dem Kitsch, den er tapfer als Kitsch stigmatisiert, verfällt er am Ende selber. So wirken seine Bemühungen, die Bollywood-Konventionen zu veralbern, rückwirkend arg unglaubwürdig. Etwa die Szene, in der die nörgelnde Diva mit ihrem Lover in bester „Titanic“-Manier über den Brienzer See schippert – zu herzzerreißender Musik. Regieanweisung: „We need more tears!“ Was aber, wenn bald alle – ganz unironisch leidenschaftlich – drauflossingen?

    Am schönsten in „Tandoori Love“ ist nicht die Story, die bald reichlich zerfasert. Auch nicht die Gesangsnummern, bei denen sich schließlich das gesamte Personal in die Arme fällt. Sondern die Schwenks übers Gebirge.

    Sputnik am Südstern

  • Vorsicht, Polizei surft mit!

    China und Iran: Wie das Internet zur Waffe gegen Zensur und staatliche Willkür werden kann. Artikel im Tagesspiegel vom 5. Mai 2010

    Das Internet ist eine Waffe im Kampf gegen totalitäre Regime. Oppositionelle rund um die Erde vernetzen sich auf Facebook, auf Twitter und Youtube werden die Brutalitäten von Diktaturen in Windeseile verbreitet. Die „grüne“ Bewegung kämpfte im vergangenen Sommer gegen den mutmaßlichen Wahlbetrug des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad – und die Welt fieberte online mit. Das Netz wird auch genutzt, um Freiheitsbestrebungen zu unterdrücken. Zu dem Thema „Das Internet in China und Iran – Zensur und Freiheitskampf“ diskutierten in Berlin der frühere ARD-Korrespondent Peter Mezger, die iranische Dissidentin Maryam Mirza, Kay Oberbeck von Google Deutschland und Shi Ming, ein chinesischer Journalist im deutschen Exil. In China wird das Internet von rund 30 000 „Internetpolizisten“ gefiltert und zensiert. Dutzende missliebige Blogger hat das Regime bereits inhaftiert.

    Wo Internet zensiert wird. Bild: RSF/Wikipedia
    Wo Internet zensiert wird. Bild: RSF/Wikipedia

    Der Suchmaschinenanbieter Google etwa verlagerte seinen Dienst Anfang des Jahres nach Hongkong. „Es kann nicht sein, dass die Mail-Konten von Dissidenten in China gehackt werden und wir Suchergebnisse zensieren müssen“, sagte Kay Oberbeck. Die Umleitung seines chinesischen Servers sei „keine PR-Maßnahme, sonst hätten wir uns schon viel früher aus China zurückziehen müssen“. Google habe keine andere Wahl mehr gehabt. „Die Zensur durch Peking schafft ein neues Bewusstsein bei den Nutzern der Suchmaschine“, sagte Oberbeck. Die User würden nun deutlicher als bei der vorherigen Selbstzensur sehen, welche Inhalte nicht zugänglich seien.

    Dennoch sieht Shi Ming freiheitliche Tendenzen in der chinesischen Gesellschaft. Beim Ausbruch der Hand-Mund-Fuß-Krankheit 2008 etwa hatte sich eine Onlineöffentlichkeit gebildet, die sich über die Bekämpfung der gefährlichen Seuche austauschte – während die Behörden schwiegen.

    Auch das Regime in Teheran zensiert alles, was ihm missfällt. „Allein vergangenen Monat wurden 30 Onlinedissidenten verhaftet“, sagte Maryam Mirza, die im Jahr 2007 vor dem islamischen Revolutionsgericht in Teheran stand, weil sie für die Frauenrechte demonstriert hatte. Über die Medien hatte sie die Demonstrationen der „grünen Bewegung“ gegen die Wahlen 2009 begleitet, aus Sicherheitsgründen von Deutschland aus. Vor allem die Studenten hatten über Facebook und Twitter eine immense Unterstützung für ihren Kandidaten Mussawi generiert, berichtete Peter Mezger. Online wähnte man sich in trügerischer Einigkeit. Doch Ahmadinedschad konnte 62 Prozent einfahren – nach seinem mutmaßlichen Wahlsieg ging er gegen die Opposition vor.

    Einig war man sich in der Runde, dass es „ordnende“ Instanzen wie Journalisten im Informationsgewirr des Internets geben muss. Genauso wie Blogs und soziale Netzwerke pluralisieren und demokratisieren, können sie totalitären Regimen als Bühne dienen. So streuen etwa die Agitatoren der chinesischen „50-Cent-Partei“, staatlich engagierte Blogger und Internetforisten, genehme Nachrichten für die Regierung. „Alle Parteien nutzen das Netz“, sagte Shi Ming.

  • Auf Ponys gegen Prolls

    Schlechter Geschmack, große Pläne: Ein Besuch bei der Elektropunkband Die Toten Crackhuren im Kofferraum. Artikel im Tagesspiegel vom 30. April 2010

    Wer dachte, Berliner Jugendliche sind schon lange nicht mehr „punk“ und studieren jetzt alle BWL, um mit Mitte Zwanzig die deutsche Normfamilie zu gründen, könnte sich noch wundern. Denn die vier- bis achtköpfige Berliner Elektro-Anarcho-Combo Die Toten Crackhuren im Kofferraum (T.C.H.I.K) macht sich derzeit auf, gestriegelten Castingbands das Fürchten zu lehren. Als Vorband der Berliner Rapper K.I.Z ist die Bad-Taste-Truppe erstmals aufgefallen. Jetzt stehen Konzerte und im Sommer eine neue Platte an.

    Spaß und Rebellion. Kristeenager, Luise Fuckface, Stehfanje (oben) und Netja Triebeltäter von Die Toten Crackhuren im Kofferraum. Foto: Doris Spiekermann-Klaas

    Die Crackhuren haben sich im „Studio Kitsune“ versammelt. Es liegt im angesagten Teil von Nordneukölln, der sich in den letzten Jahren ein trendiges Mäntelchen übergeworfen hat. In den weitläufigen Lofträumen des Studios kreieren Labels wie Royal Bunker Hip-Hop-Beats, außerdem werden hier Filme produziert und Castings veranstaltet. Während Musiker und Medienmenschen aller Couleur lässig in T-Shirts und Jeans durch die Lofträume bummeln, sitzen vier der Girls, Luise Fuckface (22), Netja Triebeltäter (20), Kristeenager (20) und Stehfanje (21), schrill geschminkt, mit „Crackhuren“-Shirts und Haarsträhnchen auf einem speckigen Ledersofa, scherzen und gackern fröhlich vor sich hin.

    Wie viele Mitglieder die Band hat, ist nicht abschließend geklärt. Zurzeit sind „es vier bis acht und drei süße Boys“, sagt Luise Fuckface, die sich selbst als „Mastermind“ der Band bezeichnet. Die stetige Fluktuation in der Band ist leicht erklärt: „Mal muss jemand arbeiten, mal ist jemand schwanger, immer kommt was dazwischen.“ Neben den flotten Sprüchen und den grellen Outfits gehören zu den Markenzeichen der Band ein breites Berlinern, der inflationäre Gebrauch von Kraftausdrücken und der ständige Verweis auf die eigene Asozialität. Ganz so, wie es sich für „Crackhuren“ gehört. Dabei gehen die meisten der Mädchen doch recht bürgerlichen Tätigkeiten nach: Einige studieren, Netja arbeitet mit behinderten Kindern – so behauptet sie zumindest unter dem schallendem Gelächter der Übrigen.

    Gegründet wurde die Band im Jahr 2007 von Luise, Schrüppe Macintosh und Lynn Love. Am 25. Juni soll nach zwei Platten, die sie im Eigenverlag rausbrachten, das dritte Album erscheinen – diesmal bei einem Major-Label. Titel: „Jung, talentlos und gecastet“. Und gecastet wurden sie tatsächlich, „gegen ihren Willen“, wie sie versichern. Nach einer Show der Band Fickscheiße (heute: Beta) sprach sie Techno-Urgestein und Publizist Jürgen Laarmann an und versprach ihnen „schnellen Ruhm“. Musikalisch bieten die Crackhuren harte, tanzbare Elektrobeats á la Mediengruppe Telekommander, mit Gesangspassagen, die in ihrer Rotzigkeit an die frühen Mia.-Alben erinnern. Einfache punkige Harmonien laden zum Mitgröhlen ein. Neben den Huren selbst zeichnen Produzenten wie der Berliner Musikmanager Beat Gottwald (K.I.Z.), Lorenz Rueegsegger vom Label Mädchenmusik und Archi Alert, der frühere Sänger der Funpunkband Terrorgruppe, für die Tracks verantwortlich.

    Das anarchische Bandethos der Crackhuren beschreibt Kristeenager so: „Man macht irgendwas und schaut, was dabei rauskommt, es gibt kein konkretes Ziel, letztendlich ist es dann halt da.“ Parallelen zur Riot-Grrrl-Bewegung der neunziger Jahre sind nicht zufällig. Damals rockten Frauenbands wie Bikini Kill und Sleater-Kinney mit Punkattitüde und feministischen Parolen gegen die männliche Dominanz in der Musikwelt an. Trotz der obligaten Anti-Haltung gegen so ziemlich alles machen die Crackhuren jedoch wenig Aufhebens um Politik. Ihre Rebellion ist spielerisch und Teil einer durch und durch ironisierten Trash-Maskerade. Das System greifen sie nur dort an, wo es keinen Spaß macht. Auch um Emanzipation scheren sie sich wenig, denn wozu um etwas kämpfen, was man längst und wie selbstverständlich lebt?

    Ihre Texte bezeichnen sie als „pubertierende Tagebuchpoesie“: „Wir schreiben über Mädchenthemen und verarschen sie“, sagt Luise Fuckface. So nehmen sie zum Beispiel Castingshows und ihre Schönheitsideale ins Fadenkreuz. „Wir hassen Sport“ heißt der selbstbewusste Konter der Band gegen den TV-Fitnesswahn. Genervt zeigen sie sich auf die Reaktionen zu ihrem Lied „Ich und mein Pony“. Aufgrund der Textpassage „Ich und mein Pony, sein Name ist Jonny, wir reiten Richtung Sonnenuntergang“ mutmaßten Journalisten, es könne es sich bei Jonny um eine tatsächlich existierende Person handeln. „Alles Blödsinn“, sagt Luise Fuckface empört. „Das Lied hab ich geschrieben, weil ich einmal in einem Video mit einem Pony reiten wollte.“

    Eines ihrer Lieblingsfeindbilder ist der „Brandenburger Proll“, ein solariumgebräunter Dorfdödel, der den ganzen Tag an Tankstellen rumhängt und mit seinem tiefergelegten Auto betrunken zum Bowlen fährt. Ein Klischee, das ihrer Meinung nach allzu oft wahr ist. Zwar wohnen sie alle jetzt in Berliner WGs, einige von ihnen haben aber früher auf dem Land gelebt. Die Befürchtung, dass eben diese Klientel ihre Musik mögen könnte, ist schon eingetroffen, sagen sie. Ist ihnen aber egal: „Wir können ja niemandem verbieten, unsere Musik gut zu finden“. Gute Voraussetzung, um reich und berühmt zu werden.

    Konzert: Sa. 1.5., 22 Uhr

    im Magnet Club, Falckensteinstraße 48