Es wurde in einer kleinen, vollgepackten Gartenlaube erfunden, könnte aber den Verkehr von Grund auf revolutionieren – egal ob in modernen Großstädten oder in den ärmsten Gegenden Afrikas: Ein Israeli hat das völlig recycelbare „Papp-Fahrrad“ entwickelt. Höchstens 20 US-Dollar (etwa 15 Euro) soll das Gefährt kosten und superleicht soll es sein. Das Vehikel soll in Kürze in Massenproduktion gehen.
Izhar Gafni designt eigentlich Fließbänder in großen Fabriken. Mit der Idee, ein Fahrrad völlig aus recycelbaren Materialien zu bauen, trug sich der 50-jährige Hobbyradler allerdings schon seit Jahren. „Es hat mich immer fasziniert, ungewöhnliche Techniken an Materialien auszuprobieren“, sagte Gafni der Nachrichtenagentur Reuters. Gearbeitet hat Gafni daran in seiner alten, zugestellten Gartenlaube – eben dem klassischen Ort, an dem geniale Erfindungen geboren werden.
Karton erwies sich allerdings zunächst als widerspenstiger Werkstoff. „Ich habe vier Jahre gebraucht, um die strukturellen Schwächen von Wellpappe auszumerzen“, so der Israeli. Einen Umzugskarton zu bauen sei zwar leicht und es bedürfe nicht viel, um ihn stabil zu kriegen – ein Fahrrad aus Karton zu bauen sei jedoch ein anderes Kaliber. „Ich musste erst einmal einen Weg finden, um das Material richtig zu falten. Rund anderthalb Jahre hat es gedauert, bis ich es nach vielen Tests und Misserfolgen hinbekommen habe“, so Gafni.
Inzwischen hat Gafni das aufsässige Material gebändigt: „Es ist erstaunlich, wie widerstandsfähig Pappkarton ist. Wenn wir in Produktion gehen, wird das Fahrrad komplett ohne Metalteile auskommen.“ Selbst die Fahrradekette ist aus recycelbarem Material. Klar, dass der Karton für die Produktion noch behandelt werden muss. Dazu wird eine organische Lösung verwendet, die die Papprahmen wasser- und feuerfest macht.
Laut Gafni ist nicht nur die Herstellung der Räder kostengünstig, sondern auch die Pflege: Da die Reifen aus recycelten Autoreifen gewonnen werden, sind sie extrem widerstandsfähig – das Stopfen von Löchern im Schlauch ist damit Geschichte. Ganz auszuschließen sei dabei aber nicht, dass sie vielleicht etwas ruckeliger daherkommen als das Normalrad. Allerdings sind Gafnis Vehikel mit nicht einmal zehn Kilogramm sehr leicht und eignen sich daher auch zur Fahrt für alte und junge Menschen. Ein Prototyp ist bereits in Nutzung – Gafnis kleine Tochter ist seit Monaten mit einem recycelbaren Laufrad unterwegs.
Laut Nimrod Elmish, Gafnis Geschäftspartner, sollen die Räder insbesondere von sozial bedürftigen Menschen gebaut werden. Und das Rohmaterial sei überall günstig zu erstehen. Statt einem Wettlauf an immer günstigere Produktionsorte könnten Firmen so neue Arbeitsplätze in armen Ländern schaffen, so Elmish. Die reinen Produktionskosten dürften sich seiner Ansicht nach auf neun US-Dollar belaufen: „Das Rad kann für 20 US-Dollar (etwa 15 Euro) verkauft werden, weil die Zwischenhändler verdienen möchten“, so Elmish zu Reuters. „Wir denken, es sollte nicht mehr kosten.“
Wenn Fabriken „grüne“ Materialien verwenden, gäbe es zudem häufig Regierungszuschüsse. „Aufgrund der kaum vorhandenen Produktionskosten können die Räder in armen Ländern dann auch umsonst verteilt werden“, so Elmish. Und was haben die beiden Israelis davon? „Wir kopieren ein Konzept aus der High Tech-Welt, in der es freie Software gibt, weil große Firmen darin Werbung platzieren“, so Elmish. So könnten sich internationale Firmen einen Platz auf den Rahmen der Recycelräder kaufen. Gibt es daran denn Interesse? Offenbar. Die Herstellung der ersten „Pappräder“ – geplant sind zwei unterschiedliche Typen und ein Rollstuhl – soll binnen weniger Monate in Israel beginnen. In die Läden kommen sie dann im Laufe des nächsten Jahres.
Die Bundesregierung möchte die atomaren Zwischenlager besser sichern und beginnt in diesen Tagen, immense Bollwerke zu errichten. Offenbar gibt es neue Erkenntnisse über terroristische Anschläge. Die Informationspolitik ist allerdings mehr als dürftig – weder Anwohner noch Öffentlichkeit werden über Sinn, Details und Hintergründe des Vorhabens unterrichtet.
Jemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen. Sogar mehrere — und das mitten in Deutschland. In Bayern geht es schon los. An den AKW-Standorten Grundremmingen und Isar II wird derzeit der Bau von Schutzwällen geplant. Allerdings dieses Mal keine „antifaschistischen“: Die Bundesregierung will die atomaren Zwischenlager stärker sichern und beginnt den Bau von entsprechenden Vorrichtungen. In Grundremmingen etwa nimmt dies monumentale Ausmaße an: Rund zehn Meter hoch und 85 Zentimeter dick soll das Stahlbeton-Ungetüm werden. Der 1,500 Seelen-Ort rund 50 Kilometer westlich von Augsburg kann sich also auf eine neue Touristenattraktion freuen.
Das AKW Grundremmingen. (Bild: Reiner Zenz/Wikipedia)
Für die Menschen vor Ort kommt dies ohne Vorwarnung. Der Bürgermeister der Gemeinde, Wolfgang Mayer, wird noch am Mittwoch vom Spiegel zitiert, dass der Bauantrag der Betreibergesellschaft völlig überraschend kam und auch „nicht begründet“ worden sei. Die Planungsdetails sind geheim. Überhaupt ist alles top secret und dubios — wie so oft, wenn es um das heikle Thema Atomkraft geht. Das Umweltministerium gibt sich wortkarg: Die geplanten Maßnahmen dienen dem Schutz „gegen Störmaßnahmen oder sonstige Einwirkungen Dritter“, hieß es am Mittwoch in Berlin. Offenbar will man sich gegen terroristische Anschläge und Flugzeugabstürze wappnen.
Nanu? Das Bedrohungsszenario eines terroristischen Anschlages — sei es durch einen gezielten Flugzeugabsturz oder den Angriff mit einer Panzerfaust — ist doch so neu nicht und seit dem elften September auch kein reines Hirngespinst mehr. Vor zehn Jahren schon hat das Bundesamt für Strahlenschutz unterschiedliche Absturzszenarien für Verkehrsflugzeuge auf atomare Zwischenlager durchgespielt. Damals gab man sich zufrieden: „Leben und Gesundheit“ seien nicht durch Flugzeugcrashs gefährdet, hieß es im Abschlussbericht. Weiß man nun etwas Neues? „Ja“, heißt es dazu beim niedersächsischen Umweltministerium: Es gäbe neue Erkenntnisse über „Tatmittel und Tatverhalten“ bei terroristischen Anschlägen.
Welche das sind, wird nicht verlautbart. Trotzdem werden jetzt fieberhaft Mauern gebaut. Obwohl alle Kosten den Betreibern auferlegt wurden, murren nicht einmal RWE und Eon, die angeblich auch schon Schutzvorrichtungen planen. Alles muss sicherer werden — in Gorleben wurden offenbar im vergangenen Jahr bereits die Castorbehälter von den Wänden weggestellt. Ziemlich clever. Offenbar sollen alle Zwischenlager in Deutschland noch dieses Jahr mit den neuen Schutzwällen befestigt werden.
Bleibt nur die Frage, was eigentlich mit den Reaktoren selbst geschieht. Die stehen ja letztlich weit exponierter in der Landschaft als die Zwischenlager und sind sie sowohl durch inszenierte Flugzeugattacken wie auch durch Panzerfaustraketen weitaus einfacher zu treffen. Zudem besteht die Möglichkeit, dass sie nach dem ersten Beschuss außer Kontrolle geraten und dann – wie in Fukushima gesehen – über Monate vor sich hin kokeln und strahlen. Glaubt man Greenpeace-Berichten, wäre so ein Angriff auch mit wenig Ressourcen machbar.
Wenn also die neuen Erkenntnisse über „Tatmittel und Tatverhalten“ beinhalten, dass Terroristen künftig die schwerer zu treffenden Zwischenlager wählen wollen — gut, dass wir jetzt Mauern drum herum ziehen. Sollten sie allerdings in guter alter Terroristenmanier doch die Ziele wählen, die einfacher zu attackieren sind und wahrscheinlich weitaus mehr Menschen verstrahlen, würde einen doch interessieren, wie diese neuen „Tatmittel und Tatverhalten“ bei Terroristen nun aussehen, und warum unsere Atomreaktoren dagegen angeblich gefeit sind. Eine transparente Informationspolitik sieht anders aus – die Bundesregierung sollte anfangen, Klartext zu reden, anstatt zu „mauern“. Ihr bisheriger Umgang mit dem Thema ist eher geeignet, Ängste zu schüren, als den Bürgern ein Gefühl erhöhter Sicherheit zu geben.
Eine jüngst ausgestrahlte Doku des Senders ABC berichtet über die Operationen des Papierkonzerns APRIL auf Sumatra – mit Segen der Regierung wird geholzt ohne Rücksicht auf lokale Communities
Trotz aller Verpflichtungen und Versprechungen – die Regenwaldvernichtung durch den Papierkonzerns Asia Pacific Resources International Ltd (APRIL) auf Sumatra geht weiter. Eine jüngst von dem australischen Sender ABC ausgestrahlte Doku berichtet von „Zerstörung in einer ungeahnten Intensität und Geschwindigkeit“. Der Konzern genießt dabei die Unterstützung der Regierung und bricht sowohl ein Moratorium wie auch Klimaschutzverpflichtungen.
“Ich habe Konzerne in Afrika und am Amazonas Regenwald roden sehen, aber die hochtechnisierte Massenvernichtung durch APRIL ist schon erschreckend”, sagt Bill Laurance, ein Wissenschaftler der australischen James-Cook-Universität. Allein dieses Jahr plane der Konzern die Zerstörung von rund 70.000 Hektar einzigartiger Regenwälder – um dort Plantagen zu errichten.
“Das sind unberührte Wälder, die in Monokulturen umgewandelt werden, in exotische Bäume, die nach vier oder fünf Jahren wieder abgemäht werden – wie Gras. Das ist keine nachhaltige Waldwirtschaft, das ist eine ökologische Apokalypse.“
Während die Dokumentation das REDD-Programm (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation) nicht erwähnt, ist doch einer der Drehorte die Kampar-Halbinsel, wo APRIL ein REDD-Projekt vorgeschlagen hat. Das UN-Programm sieht bei Projekten stets die Einbeziehung der lokalen Bevölkerung mittels eines freien, vorhergehenden und informierten Konsensus vor. Auf der Halbinsel wurde niemand gefragt – die Rodungen gingen einfach los.
Nicht einmal die Gebiete, die laut APRIL nicht angetastet werden, haben eine große Chance, weiter CO2 in ihren Böden zu speichern, prophezeit Lafcadio Cortest vom Rainforest Action Network. „Die werden hier den Wasserspiegel senken. Das hat massiven Einfluss auf den Boden und das gesamte Ökosystem.“
In der Gegend um Pulau Padang ist als Reaktion auf APRIL’s Operationen Gewalt ausgebrochen. Eine für den Konzern arbeitende Firma hat einen Mitarbeiter verloren – der Mann wurde während der Rodungsarbeiten erstochen und verbrannt. Eine Gruppe von Nichtregierungsorganisationen hat den Papierkonzern angesichts der überlappenden Gebietsansprüche aufgefordert, die Operationen einzustellen und sämtliches schweres Gerät zu räumen.
Das von Präsident Susilo Bambang Yudhoyono unterzeichnete Rodungsmoratorium trat im Mai 2011 in Kraft – auf die Tätigkeiten des Konzerns hat dies offenbar keinen Einfluss. Ganz im Gegenteil betont David Kerr, der bei APRIL zuständige Manager: „Unsere Arbeit verläuft stets verantwortungsvoll und in steter Abstimmung mit der Regierung. Die Regierung möchte weiter Waldgebiete entwickeln und es gibt Firmen, die das weitaus schlimmer machen als wir.“
Nicht die konventionelle Landwirtschaft kann den Hunger einer wachsenden Weltgemeinschaft stillen, sondern der Ökolandbau. Dies weisen die Vereinten Nationen in einem kürzlich erschienen Bericht nach, der sich auf aktuelle Studien beruft. Binnen zehn Jahren, so das Papier, kann die Nahrungsproduktion verdoppelt werden – und dies nachhaltig und mit durchweg positiven Effekten speziell in den ärmsten Ländern.
“Die konventionelle Landwirtschaft bedarf teurer Energiezufuhr, heizt die Erderwärmung an und ist anfällig für Klimaschocks”, sagte Olivier De Schutter, UN-Sonderbeauftragter für das Recht auf Ernährung und Autor des Berichts. Neue wissenschaftliche Studien zeigten, dass ökolandwirtschaftliche Methoden dem Einsatz von chemischen Düngern in jeder Hinsicht überlegen seien, speziell in ungünstigen klimatischen Lagen und Terrains.
„So zeigten Ökolandbauprojekte in 57 Entwicklungsländern einen durchschnittlichen Anstieg der Ernteerträge um 80 Prozent, in Afrika allein sogar um 116 Prozent“, so De Schutter. In 20 afrikanischen Ländern konnten die Erträge sogar binnen lediglich 3 bis 10 Jahren verdoppelt werden.
Malawi etwa hatte vor einigen Jahren noch ein gewaltiges Subventionsprogramm für chemische Dünger auf den Weg gebracht. Nun wird verstärkt in den Ökolandbau investiert. Ergebnis: Die Maisernten sind von 1 Tonne auf 2 bis 3 Tonnen pro Hektar gestiegen – rund 1,3 Millionen bitterarme Menschen profitieren.
Je mehr in das Wissen der Farmer investiert wird, desto mehr verzichten sie auf Pestizide, heißt es in dem Papier. So haben eine Reihe von Ländern den Einsatz von Pflanzengiften in Reis- und Baumwollplantagen massiv zurück gefahren. Mit verheißungsvollen Resultaten: China, Indien und Pakistan verzeichneten 4 bis 14 Prozent höhere Erträge in der Produktion von Baumwolle.
Durch den Einsatz von natürlichen Mitteln – geeigneten Bäumen, Pflanzen und Insekten – kann auf Pflanzengifte und chemische Dünger im Anbau komplett verzichtet werden. Die Böden werden so geschont und können mehr produzieren. Doch auch die Ressourcen des Farmers werden geschont. Natürliche Dünger werden auf der Farm produziert, ein teurer Zukauf von chemischen Zusätzen ist überflüssig. Entscheidend sei das Know-How: „Ökolandbau ist wissensintensiv“, sagte De Schutter.
So sei es besonders an Staaten und Multiplikatoren, das Wissen im Ökolandbau an die Farmer zu vermitteln und durch geeignete Politiken zu fördern. „Die Unterstützung lässt derweil noch zu wünschen übrig“, beklagt De Schutter. „Dabei werden wir im Jahr 2050 9 Milliarden Menschen ernähren müssen. Spätestens bis dahin müssen wir die effizientesten Landbaumethoden massentauglich gemacht haben.“
Foto: Erdnussernte in einem Studienprojekt in Malawi. (Foto: Wikipedia, creative common license)
Indonesia Forestry Ministry issues decree allowing orangutan release in restored timber concession forest Press Release by BOS Germany, translation and editing by Lars Dittmer
Bogor, Indonesia, 20 Aug 2010: The Borneo Orangutan Survival Foundation (BOSF) announced today that it would, for the first time in 9 years, release a rehabilitated captive orangutan back into the wild. The long-awaited release was finally facilitated by the issuance of a special Ministerial Decree by the Indonesian Forestry Minister dated August 18, 2010, which will allow the release of the orangutan into a former timber concession restored into natural forest by PT Orangutan Habitat Restoration Indonesia. The restored forest is located in the East Kutai district of East Kalimantan, Indonesia.
Releases in Indonesia ahead
PT Orangutan Habitat Restoration is a forest rehabilitation company established by BOSF for the purpose of creating a suitable area to release rehabilitated orangutans currently living in BOSF rehabilitation centers in Kalimantan.
The release is the first step toward the release of all captive orangutans in Indonesia by 2015 as directed in December 2007 by the Indonesian government at Nusa Dua Bali. For the past 8 years BOSF has been unable to release rehabilitated orangutans back to the wild due to a lack of suitable habitat for the releases. The Forestry Ministry Decree has now, for the first time, opened the door for BOSF to begin releasing the formerly captive orangutans it has rehabilitated for survival in the wild.
The release area was selected because of its conditions are near perfect for the survival process for newly released orangutans. It is an 86,450 hectare site in which there is a low density of wild orangutans living in that forest area. Generally, around 30,000 hectares are required to support 250 orangutans. The topographical conditions in the restored forest area are near perfect, with an altitude of 750 meters above sea level and well-stocked with tree species which provide shelter and food for wild orangutans. It is also safe from human threats as the local inhabitants are highly supportive of the release program.
At the present time, BOSF has some 838 orangutans in its rehabilitation centers, with 612 in the Central Kalimantan Reintroduction Center in Nyaru Menteng and another 226 in the East Kalimantan Reintroduction Center in Samboja Lestari.
The historical release process began during a courtesy call by the Board of Trustees and Board of Directors in April of this year to then forestry minister Zulkifli Hasan, who voiced his full support for the BOSF release program. The August 18 Ministerial Decree is a direct outcome of that visit.
“Now we can begin to concentrate on the next step, the preparation of new habitats,” said BOSF CEO Togu Manurung. “There is still much that we have to do,” he added, “but at least this is a good start for all of us”, he concluded.
Manurung further said that the issuance of the decree was did a great service to the BOSF as it will allow the organization to begin to realize its goals. The first priority, he said , was the release of Bornean Orangutans into their natural habitat with the help of local populations.
“The government has now started the process of issuing permits for us to take control of suitable land for orangutan release,” said the BOSF Chairman of the Board of Trustees, Professor Bungaran Saragih, a former Minister of Forestry. “We must release all captive orangutans back into the wild. They have for too long been living in cages,” said Professor Saragih.
Pressemitteilung von BOS Deutschland: Endlich frei!
Nach 9 Jahren wildert die BOS Foundation den ersten rehabilitierten Orang-Utan im Regenwald Borneos aus: ein Dekret des indonesischen Forstministeriums macht den Weg frei für eine Auswilderung in einem wiederhergestellten Regenwaldstück, das früher Konzessionsgebiet eines Holzkonzerns war.
Bogor, Indonesien, 20. August 2010: Die Borneo Orangutan Survival Foundation (BOSF) hat angekündigt, dass sie zum ersten Mal seit 9 Jahren einen rehabilitierten Orang-Utan auswildern wird. Die lange erwartete Freilassung wurde ermöglicht durch ein Dekret des Forstministeriums vom 18. August 2010, das als Zielgebiet ein wiederhergestelltes Regenwaldstück in Ost-Kutai, Ostkalimantan definiert. Bei dem Areal handelt es sich um das ehemalige Operationsgebiet eines Holzkonzerns, das von der BOS-eigenen Firma PT Orangutan Habitat Restoration (PT RHOI) in naturnahen Regenwald umgewandelt worden war.
Endlich frei! Borneo Orang-Utan beim kraxeln
„Die Regierung hat nun begonnen, uns Genehmigungen zu übertragen, die Kontrolle über geeignete Auswilderungsareale zu übernehmen“, sagte Professor Bungaran Saragih, Aufsichtsratvorsitzender der BOS Foundation und früherer indonesischer Forstminister. Das Auswilderungsgebiet weist nahezu perfekte Bedingungen für die Tiere auf. Es umfasst 86.450 Hektar, in denen nur wenige wildlebende Orang-Utans heimisch sind. Eine Population von 250 Orang-Utans benötigt ein Habitat von etwa 30.000 Hektar. Die topographischen Bedingungen in dem Gebiet sind exzellent; es liegt etwa 750 Meter über dem Meeresspiegel und verfügt über zahlreiche Baumarten, die Unterschlupf und Nahrung bieten. Eine Gefährdung durch Menschen besteht nicht – die heimische Bevölkerung zeigt große Sympathien für das Projekt und hat Unterstützung signalisiert.
Den Anstoß zu diesem historischen Prozess gab ein Besuch des Aufsichtsrats und der Geschäftsführung der BOS Foundation im April diesen Jahres bei Forstminister Zulkifli Hasan. Der Minister sicherte zu, das Auswilderungsprogramm der BOS Foundation zu unterstützen. Das Dekret vom 18. August ist ein direktes Resultat dieses Treffens. „Der Beschluss des Ministeriums ist eine große Hilfe für die Arbeit der BOS Foundation“, so Togu Manurung, der Vorsitzende der BOS Foundation. „Wir können endlich unsere Ziele in Angriff nehmen. Das wichtigste davon ist, die Orang-Utan-Population Borneos in ihren angestammten Lebensraum auszuwildern – mit Hilfe der lokalen Bevölkerung.“
PT RHOI ist ein Unternehmen, das Wälder regeneriert. Es wurde von der BOS Foundation geschaffen, um geeignete Gebiete zur Auswilderung jener Orang-Utans zu schaffen, die sich derzeit in der Obhut von BOS befinden. Von den 838 Orang-Utans in ihrem Rehabilitationsprogramm leben etwa 612 in der Rehabilitationsstation Nyaru Menteng in Zentralkalimantan und 226 in Samboja Lestari in Ostkalimantan.
Die indonesische Regierung hat 2007 auf Nusa Dua, Bali, angekündigt, dass bis 2015 alle Orang-Utans, die sich momentan in Rehabilitationsstationen befinden, wieder im Regenwald leben sollen. In den vergangenen 8 Jahren konnte die BOS Foundation keine rehabilitierten Orang-Utans auswildern, weil die geeigneten Gebiete dazu nicht vorhanden waren. Mit dem Ministerialdekret hat Indonesien der BOS Foundation nun den Weg geebnet, die rehabilitierten Tiere in die Wildnis zu entlassen.
„Wir werden uns nun auf den nächsten Schritt konzentrieren, nämlich neue Habitate zu gewinnen“, sagte Manurung. „Es gibt immer noch viel zu tun, aber dies ist zumindest ein guter Start für uns.“
Der Agrarkonzern habe zwar keinen Primärregenwald gerodet, Sekundärwälder und Torfmoore aber schon – Greenpeace hält Beschuldigungen aufrecht – Artikel auf www.bos-deutschland.de
Mit lächelndem Kind sehen Ölpalmenplantagen gar nicht so tot aus, wie sie eigentlich sind – Eigenwerbung der PT Smart (Screenshot BOS Deutschland)
Die PR-Schlacht zwischen Greenpeace und dem indonesischen Konzern Sinar Mas geht in die nächste Runde. Wie das Magazin Mongabay.com berichtet, hatten Umweltschützer der Sinar-Mas-Tochter PT Smart vorgeworfen, Primärregenwald und Orang-Utan-Habitat für den Anbau von Ölpalmenplantagen zu roden. Eine jüngst erschienene, unabhängige Studie entlastete den Konzern zwar in diesem Bereich, zeigte aber, dass er Torfmoore gerodet hatte. Beide Seiten erklärten sich zum Sieger – ehemalige Geschäftspartner von Sinar Mas zögern indes, die Beziehungen wieder aufzunehmen.
„Die Studie bestätigt unsere Vorwürfe in großen Teilen“, sagte Bustar Maitar, Regenwaldcampaigner bei Greenpeace-Südostasien. „Es ging ganz klar daraus hervor, dass Sinar Mas Regenwälder und Torfmoore gerodet hat, und dies ohne die notwendigen Genehmigungen.“ Der Konzern habe erneut gezeigt, dass er etwas sage, und das genaue Gegenteil davon mache. Er zerstöre Torfmoore und nenne dies Wassermanagement. Er rode Wälder und nenne dies die Entwicklung von degradiertem Land, so Maitar.
Bei PT Smart sieht man die Ergebnisse der Studie naturgemäß etwas anders. „Die Studie hat bewiesen, dass die Beschuldigungen größten Teils haltlos sind. Smart ist nicht verantwortlich für die Rodung von Orang-Utan-Lebensraum in Indonesien, wie Greenpeace behauptet hatte“, hieß es in einer Erklärung des Konzerns, die Reuters vorliegt.
Ehemalige Geschäftspartner von PT Smart bleiben derweil skeptisch, zumal für die Studie lediglich 40 Prozent der Konzessionen des Konzerns untersucht wurden – die Plantagen in Neu Guinea etwa waren darin nicht berücksichtigt. Unilever erklärte, das Palmöl des Unternehmens nicht mehr zu kaufen, so lang der Konzern nicht das Siegel des Runden Tisches für Nachhaltiges Palmöl (RSPO) erhält.
Quelle: Mongabay.com, Reuters, Lars Dittmer, BOS-Deutschland
Die schlimme Geschichte des Orang-Utan-Weibchens Pony berichtet Michelle Desilets im englischen Interview mit dem Magazin „Vice“, Übersetzung für die Webseite von BOS Deutschland von Lars Dittmer
Darf man vorstellen? Pony. Sie ist ein Orang-Utan-Weibchen aus einem kleinen Dorf auf Borneo, wo sie den gesamten Regenwald niedergeholzt haben, um Palmöl herzustellen, das ins Ausland verkauft wird, um zu Lippenbalsam, Speiseeis, Schokoladen und Käsekräcker verarbeitet zu werden.
Hat eine unbeschreibliche Horrorgeschichte hinter sich: Orang-Utan-Weibchen Pony
Vice Magazin: Bitte erzählen Sie uns die Geschichte von Pony.
Michelle Desilets (Begründerin von BOS UK und Vorstandsmitglied von BOS Deutschland):
Pony ist ein Orang-Utan aus einem Prostituiertendorf in Borneo. Als wir sie fanden, lag sie auf einer Matratze und war an eine Mauer gekettet. Sie war am ganzen Körper rasiert.
Ich möchte am liebsten heulen.
Wenn sich ihr ein Mann näherte, drehte sie sich um, präsentierte sich und begann, sich rythmisch zu bewegen. Sie wurde als Sexsklavin gehalten. Eine ältere Dame hatte sie über viele Jahre in Gefangenschaft gehalten – als wir Pony fanden, war sie etwa sechs oder sieben Jahre alt. Die ältere Dame war aber absolut nicht bereit, das Tier frei zu geben, denn alle liebten Pony und war sie war fester Bestandteil ihres Einkommens. Sie waren außerdem der Meinung, dass Pony ein Glücksbringer sei, da sie bereits richtige Tipps in der Lotterie gegeben habe.
Haben die Kunden denn realisiert, dass sie einen Orang-Utan bekamen?
Na klar, extra deswegen sind sie gekommen. Wenn sie wollten, bekamen sie einen Menschen, aber für viele Männer war es etwas Neues, mit einem Orang-Utan Sex zu haben. Gelegentlich rasierten sie Pony, was dazu führte, dass ihre Haut mit Pickeln übersät und gereizt war. Obendrein bekam sie ein Problem mit den Moskitos – weil sie ständig an den Stichen kratzte, wurden diese septisch und entzündeten sich. Sie hatten ihr Ringe und Halsketten angezogen – es war ein absolut hässlicher Anblick.
Wie habt Ihr sie da raus bekommen?
Wir haben über ein Jahr benötigt. Jedes Mal, wenn wir mit der Forstpolizei und örtlichen Polizeibeamten dort ankamen, wurden wir überwältigt von den Dorfbewohnern, die sie einfach nicht freilassen wollten. Sie haben uns dann mit Pistolen und Messern mit vergifteten Spitzen bedroht. Letztlich bedurfte es 35 Polizisten bewaffnet mit AK-47-Sturmgewehren und anderen Waffen, die in das Bordell stürmten und die Herausgabe des Menschenaffen forderten. Der Einsatz wurde von einem Filmteam aus der Gegend gefilmt. In der Szene, in der wir Pony von ihren Ketten befreien, hört man die ältere Dame im Hintergrund hysterisch kreischen: „Sie nehmen mir mein Baby weg, das könnt Ihr nicht machen!“ Es gibt keine Strafverfolgung dafür in Indonesien, daher wurden diese Leute rechtlich nie belangt für ihre Taten.
The Australian government has still not banned the import of wood from illegal sources. Other countries however act. Protest action via Facebook and BOS Deutschland in English and German by Sean Whyte, Maik Schaffer and Lars Dittmer
The Australian government permits the import of wood from illegal sources from the rainforests of Indonesia. Though the decision makers in the country are aware of this problem, nothing has been done to stop it yet.
a morning in the Indonesian rainforest – pic by Maik Schaffer
Illegal wood has been banned from the US two years ago and soon to be across all over the EU.
Bringing the import to Australia to a halt would be a great step to preserve the natural forests of Indonesia and the species that live there – still, Orangutans are killed for the profits of illegal loggers. Australia is in a geographically important position. A ban would massively contribute to environmental and climate protection efforts. For more information, please klick here.
The letter below is directed to Australian Senators. PLEASE JOIN AND SEND THE LETTER BELOW! Please add your name and your country if possible. On behalf of the suffering Orangutans, thank you!
If you live in Australia, why not start your own letter writing campaign with friends, schools etc? It would be a great help if you were to do so.
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Die australische Regierung erlaubt den Import von indonesischem Holz aus illegalem Einschlag. Obwohl sich die australische Regierung sich über das Problem bewusst ist, wurde bisher nichts unternommen um das zu unterbinden.
Illegal geschlagenes Tropenholz wurde vor zwei Jahren in den USA verboten und wird in drei Jahren auch in der EU verboten sein.
Den Import nach Australien zu unterbinden wäre ein großer Schritt zum Schutz der indonesischen Regenwälder und der dort beheimateten Arten, denn immer noch werden Orang-Utans für den Profit der illegalen Holzfäller getötet. Weiterhin befindet sich Australien in einer geographisch sehr wichtigen Position. Ein Einfuhrstopp wäre ein großer Erfolg für den Umwelt- und Klimaschutz. Weitere Informationen finden Sie hier.
Der untenstehende Brief ist an verschiedene australische Senatoren gerichtet. BITTE MACHEN SIE MIT UND VERSENDEN SIE EINE E-MAIL! Bitte versehen Sie den Brief nach Möglichkeit mit Ihrem Namen und dem Wohnort. Im Namen der leidenden Orang-Utans bedanken wir uns!
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All you need do is to cut/copy and paste the letter below into a regular email. It takes no more than two minutes to do.
Alles was Sie tun müssen, ist den untenstehenden Brief in eine E-mail zu kopieren. Sie werden nicht länger als zwei Minuten dazu benötigen.
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Subject matter/Betreff:
DO NOT FURTHER IGNORE THE SUFFERING OF ORANGUTANS!
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To:
The Hon. Peter Garrett
Minister for Environment, Heritage and the Arts
Dear Minister,
Australia needs to act now!
The impact of illegal logging is devastating the Indonesian rainforests and killing unique species like the orangutan that live there. The UN reports that in 2022, all lowland forests in Borneo will be destroyed. Often, the wood goes to Australia and from there to other countries of the West.
The newspapers report that Australian decision makers are well informed about this situation and a ban has been discussed for years. Please could you explain to me:
Why does the government still permit the importation of wood known to have been logged illegally?
Other countries act. The United States has banned the import of wood from illegal sources two years ago, the EU will follow soon. Why does Australia stand idly by?
Instead of supporting the conservation efforts, the Australian government has given money to build a road through pristine rainforest in Indonesia – that is, from Pontianak to Sintang in Western Kalimantan. Considering the fact that the new primeminister Julia Gillard has said that she favours a price on Carbon Emissions, do you know the price that Australia would have to pay?
Durch illegale Rodungen wird der indonesische Regenwald zerstört. Die dort lebenden Arten, Tiere wie der Orang-Utan, werden getötet oder verlieren ihren Lebensraum. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wird bis 2022 nahezu der gesamte Tieflandregenwald auf Borneo zerstört sein. Das Holz wird häufig nach Australien transportiert und geht von dort in andere Länder des Westens.
Die Zeitungen berichten, dass Australiens Entscheider bestens informiert sind über diese Situation und ein Importverbot für diese Hölzer seit Jahren diskutiert wird. Bitte erklären Sie mir:
Warum importiert Australien nach wie vor Holz, welches nachweislich aus illegalen Quellen stammt?
Andere Länder handeln. Die Vereinigten Staaten haben bereits vor zwei Jahren einen Einfuhrstopp beschlossen, die EU wird bald folgen. Warum sieht Australien untätig zu?
Statt Anstrengungen zum Umwelt- und Klimaschutz zu unterstützen, hat Australien Geld zur Verfügung gestellt, eine Straße durch unberührten Regenwald zu bauen – von Pontianak nach Sintang in Westkalimantan, Borneo. Auch angesichts der Tatsache, dass die neue Premierministerin Julia Gillard einen Preis auf Kohlendioxidemissionen fordert, frage ich: Ist sich Australien der möglichen Kosten seiner Politik bewusst?
Für eine Antwort Ihrerseits bedanke ich mich vorab und verbleibe mit freundlichen Grüßen,
Vier Fünftel der menschlichen Treibhausgas-Emissionen werden von Städtern produziert – obwohl sie lediglich zwei Prozent der Erdoberfläche einnehmen. Kommunen können deshalb eine Menge für den Klimaschutz tun, selbst wenn die nationalen Regierungen versagen. Wie sieht es in den drei größten deutschen Städten aus? wir-klimaretter.de hat Berlin, Hamburg und München einem Klimaschutzcheck unterzogen. Artikel bei Klimaretter.info vom 21. März 2010
„Nur weil die Politik in Kopenhagen nichts zustande gebracht hat, ist das Thema Klimaschutz ja nun nicht grundsätzlich von der Agenda“, sagt Stephan Seiler von der Hamburger Umweltbehörde. Der Satz klingt wohlfeil, aber die Hansestadt handelt auch. Im Dezember verabschiedete der schwarz-grüne Senat ein 179 Seiten dickes Dokument, die Fortschreibung des Hamburger Klimaschutzprogramms aus dem Jahr 2007. Mehr als 350 Einzelmaßnahmen werden darin aufgelistet – beispielsweise sollen Behörden-Pkw künftig nur noch 115 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen dürfen. Bis 2020 sollen, so das Ziel, die Treibhausgas-Emissionen Hamburgs um 40 Prozent gegenüber 1990 zurückgehen.
Als Hafenstadt würde Hamburg den Anstieg der Meere hautnah spüren – auch deshalb hat der Senat ein anspruchsvolles Klimaschutzprogramm beschlossen (Foto: Hamburg.de)
Ein ambitioniertes Ziel ist das, aber durchaus machbar. Obwohl Städte nur zwei Prozent der Erdoberfläche einnehmen, verursachen sie etwa 80 Prozent der menschengemachten Treibhausgase. Das Potenzial für Energieeinsparungen ist bei ihnen besonders groß, die Voraussetzungen für einen Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs zum Beispiel sind dort wegen der hohen Bevölkerungsdichte besonders günstig. Schon vor zwanzig Jahren gründete sich ein europaweites Klimabündnis von Städten. Die 1.500 Mitgliedsgemeinden, -landkreise und -provinzen von Spanien bis Polen haben sich verpflichtet, ihre Emissionen bis 2030 zu halbieren. „Auf das Handeln der internationalen Politik“, sagt auch Geschäftsführerin Ulrike Janssen, „haben wir allzu lang gewartet.“
Das europäische Klimabündnis ist nicht die einzige Reaktion auf kommunaler Ebene. Allein im vergangenen Jahr gab es mehrere weltweite Konferenzen von klimaaktiven Städten, etwa den C40 Cities Climate Summit in Seoul oder die Hamburg City Climate Conference. Dabei gehe es „auch um Selbstschutz“, räumt Ulrike Janssen ein. Denn viele Weltmetropolen sind Hafenstädte, sie wären von steigenden Meeresspiegeln besonders betroffen.
„Derzeit sind die Pegelstände noch kein Problem“, sagt Stephan Seiler. Aber vorsorglich werden auch an der Unterelbe bereits die Deiche erhöht. Mit jährlich rund 17 Millionen Tonnen Kohlendioxid trägt Hamburg derzeit zum Klimawandel bei. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl ergibt das einen Pro-Kopf-Ausstoß von 6,6 Tonnen – damit liegt die Hansestadt zwar unter dem deutschen Durchschnitt von etwa zehn Tonnen, aber merklich über anderen Großstädten wie München (6,5 Tonnen) und Berlin (5,9 Tonnen).
Können Kommunen überhaupt etwas fürs Klima tun?
„Handlungsspielräume gibt es zuhauf“
Um rund zwei Millionen Tonnen möchte Hamburg seine Emissionen schon innerhalb der nächsten zwei Jahre senken. Das Klimaschutzkonzept, lobt der Naturschutzbund (Nabu), sei das erste seiner Art. 25 Millionen Euro pro Jahr stellt der Senat dafür bereit. So sollen künftig beispielsweise Radwege verstärkt ausgebaut werden, die S-Bahn fährt seit Jahresbeginn mit Strom aus Wasserkraftwerken. Städtische Wohnungsbauförderung zum Beispiel soll es ab 2012 nur noch für besonders energiesparende Passivhäuser geben, auch die die Vorschriften für die Altbausanierung verschärft die Hansestadt. Bis 2050, so das Ziel, soll der CO2-Ausstoß im Gebäudesektor um 80 Prozent vermindert werden. Durch die Sanierung öffentlicher Bauten will der Senat private Eigentümer zur Nachahmung anregen (die städtischen Energiekosten werden dabei ganz nebenbei gesenkt).
Im Fadenkreuz des Berliner Gesetzes: Der Altbaubestand (Foto: Wikipedia)
„Handlungsspielräume gibt es zuhauf“, betont Ulrike Janssen, obwohl Städte kaum Gesetze erlassen und kaum Steuern erheben können. Die wohl meisten Möglichkeiten gibt es im Baubereich, auch der Berliner Senat legt hier einen Schwerpunkt. Für Heizungen etwa will der rot-rote Senat detaillierte Regeln erlassen und über bundesweit geltende Gesetze hinausgehen: Auch für Altbauten soll künftig die Nutzung Erneuerbarer Energien vorgeschrieben werden, etwa von Sonnenkollektoren oder Holzpellets. Als Stadtstaat hat Berlin die Möglichkeit, dafür ein eigenes Klimagesetz zu erlassen – doch Bereiche jenseits des Bausektors kommen darin kaum vor, zudem hängt der Gesetzentwurf seit mehr als zwei Jahren im Lobbygestrüpp fest. Bau- und Wohnungswirtschaft lehnen es als zu unflexibel ab, andererseits sorgen sich Teile von SPD und Linkspartei vor möglichen Mietsteigerungen.
Auf zwölf Millionen Tonnen (derzeit: 19 Millionen) soll der Berliner Treibhausgas-Ausstoß bis 2020 sinken, aber bis zum Erlass des Gesetzes sind die Schritte auf dem Weg dorthin eher klein. Mit sogenannten „Energiesparpartnerschaften“ senkt der Senat bereits seine Energiekosten (und den eigenen CO2-Ausstoß): Privatfirmen übernehmen dabei die Energieversorgung öffentlicher Gebäude und suchen selbst nach Einsparmöglichkeiten – den Gewinn daraus teilen sich Land und Unternehmen. In den bislang beteiligten rund 1.300 Gebäuden sei bereits eine jährliche Ersparnis von rund 60.000 Tonnen Kohlendioxid erreicht, so der Senat.
Stufenweise soll es abwärts gehen mit den Emissionen: unter anderem durch das Praterkraftwerk in München (Foto: Praterkraftwerk.de)
Welche der deutschen Großstädte tut denn nun am meisten fürs Klima? „Was Strategie und Beharrlichkeit angeht, ist München Vorreiter“, sagt Ulrike Janssen vom Klimabündnis. So fördere die Alpenmetropole bereits seit den 90er Jahren private Klimaschutzinitiativen – damals war der Klimawandel noch längst nicht im öffentlichen Bewusstsein angekommen. Auch in München gibt es eine lange, lange Liste städtischer Klimavorhaben – von Effizienzsteigerungen bei der Straßenbeleuchtung bis zu Großvorhaben wie die Neubausiedlung Freiham im Westen der Stadt, die komplett mit Erdwärme beheizt werden und dadurch 19.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr einsparen soll.
Innerhalb der Stadtverwaltung läuft gerade ein Wettbewerb um neue Ideen, die Rathaus-Spitze hat alle Behördenreferaten aufgerufen, Ideen zur Emissionsminderung einzureichen, die dann im April als „Integriertes Handlungsprogramm Klimaschutz“ beschlossen werden sollen. Doch von Umweltverbänden kommt auch Kritik: Im Verkehrssektor, bemängelt etwa Martin Hänsel vom Bund Naturschutz, laufe „rein gar nichts“. Dabei sei dies, angesichts steigender Autozahlen und nicht vorhandener Schwerindustrie, in München ein überaus wichtiger Posten der Klimabilanz. Etwa 500.000 tägliche Autofahrten ins Umland, meist von Berufspendlern, haben Verkehrswissenschaftler in München registriert – trotzdem fehlen strategische Ziele für eine klimafreundlichere Nahverkehrsversorgung.
Die eigentlich vorbildliche Stadt ist bereits einmal an Klimazielen gescheitert. 1991 hatte München beschlossen, den Treibhausgas-Ausstoß bis 2005 um 30 Prozent (gegenüber 1987) zu senken. Dafür ließ man sich vom Freiburger Öko-Institut vorbildliche Konzepte schreiben. Doch im Jahr 2000 waren gerade einmal sieben Prozent Reduktion geschafft. Es sei klargeworden, hieß es 2004 in einer Zwischenbilanz, „dass ohne einen einschneidenden Wandel in den Rahmenbedingungen für kommunale Klimaschutzaktivitäten die ambitionierten Reduktionsziele nicht erreichbar sein werden“. Im Klartext: Eine Klima- und Energierevolution ist allein in den Städten eben doch nicht zu machen.
Der revidierter Münchner Klimaplan sieht nun vor, den CO2-Ausstoß (2008: etwa 8 Mio. Tonnen) bis 2030 zu halbieren. Einen großen Teil davon sollen die Stadtwerke schaffen – sie haben sich zum Ziel gesetzt, bis 2015 alle Privatkunden zu hundert Prozent aus Erneuerbaren Energien zu versorgen, bis 2025 auch alle Gewerbekunden. Dazu dienen eigene Projekte wie das Praterkraftwerk, außerdem steigen die Stadtwerke in großem Maßstab in Offshore-Windparks in der Nordsee und Solarkraftwerke in Spanien ein.
Vattenfalls Klimakiller in Moorburg wird sich
in der offiziellen Klimabilanz nicht niederschlagen
Hamburg und Berlin haben es da schwerer, seit dem Verkauf der kommunalen Versorger HEW bzw. Bewag sind die Großstädte das Revier des Atom- und Kohlestromers Vattenfall. Zwar entschied sich in der Hauptstadt der Senat Anfang 2009 für den Einkauf von Ökostrom für den öffentlichen Bedarf – aber erst nach heftigem öffentlichen Druck und selbst dann auch nur für eine hellgrüne Billigvariante. Hamburg, um zumindest ein bisschen Einfluss auf die Energieversorgung zurückzugewinnen, hat wieder einen städtischen Energieversorger gegründet. Während der schwarz-grünen Koalitionsverhandlungen hatte die GAL dies ultimativ verlangt – als kleine Kompensation für das letztlich nicht verhinderte Kohlekraftwerk von Vattenfall in Moorburg.
2012 soll diese CO2-Schleuder mit einem Jahresausstoß von neun Millionen Tonnen ans Netz gehen. Doch in der offiziellen Klimabilanz der Elbestadt wird sich das nicht niederschlagen. Praktischerweise wird sie seit 2003 nicht nach der sogenannten „Quellmethode“ ermittelt, sondern nach der „Verursachermethode“: Nicht die Emissionen, die auf dem Hamburger Stadtgebiet ihre Quelle haben, werden dabei erfasst, sondern jene, die auf die dort verursachte Energienachfrage zurückgehen. „Und der Verbrauch der Hamburger ändert sich durch Moorburg nicht,“ erklärt Umweltbehördensprecher Seiler.
Bleibt zu hoffen, dass die Elbe diese statistischen Feinheiten berücksichtigt, sollte sie klimawandelbedingte Überschwemmungen planen.
Jetzt beginnt die heiße Protest-Phase in Kopenhagen: Tausende Demonstranten werden am Sonnabend zu einer Großdemonstration am Rande des Klimagipfels erwartet. Angekündigt haben sich auch radikale Gruppen. „Darauf sind wir gefasst“, sagt Lars-Christian Borg, Sprecher der Kopenhagener Polizei. Interview bei Klimaretter.info vom 11. Dezember 2009
Lars-Christian Borg, Sprecher der Polizei Kopenhagen
Wir-Klimaretter.de:Herr Borg, langsam läuft der Protest warm.
Lars-Christian Borg: Viel ist noch nicht los.
Seit Wochen wird davor gewarnt, radikale Kräfte könnten den UN-Gipfel stürmen. Haben Sie handfeste Erkenntnisse?
Ja, uns liegen entsprechende Informationen vor. Wir kooperieren mit vielen Ländern und haben auch eigene Ermittlungen angestellt. Wir wissen, dass es Aktivisten gibt, die hier mit feindseligen Absichten anreisen.
Was meinen Sie mit „feindseligen Absichten“?
Die meisten Protestler kommen her, um friedlich zu demonstrieren. Andere aber reisen an, um unsere Stadt in Brand setzen wollen. Wir sind darauf gefasst.
Wie sieht die Strategie der dänischen Polizei aus?
Wir suchen im Vorfeld den Dialog mit den Aktivisten, sodass beide Gruppen – Polizei und Klimaprotestler – voneinander lernen können. Unser Ziel ist, im Hintergrund zu bleiben. Wir wollen reden. Wenn aber Troublemaker auf den Plan treten, können wir auch anders. Die Sicherheit der Konferenzteilnehmer ist absolut zentral.
Stehen Sie in Kontakt mit Aktivisten?
Ja, schon seit vielen Monaten. Wir haben uns gegenseitig eingeladen und kommunizieren regelmäßig.
Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen kritisieren das so genannte „Lümmelpaket“, das die Befugnisse der Polizei immens erweitert und das Recht auf freie Meinungsäußerung beschneidet.
Unsere Möglichkeiten der Verfolgung von gewalttätigen Protestlern haben sich eigentlich nicht geändert – nur die Strafen wurden erhöht. Wer in Kopenhagen an gewalttätigen Aktionen teilnimmt, kann jetzt bis zu 14 Tage im Gefängnis landen. Hoffentlich hat das eine abschreckende Wirkung.
Finden Sie die Maßnahmen des „Lømmelpakke“ angemessen?
Polizisten reden nicht über Politik. Das Paket wurde von der Politik erlassen – wir Polizisten kommentieren es nicht.
Umfassender Service für die Inhaftierten – Lars-Christian Borg (rechts) von der Kopenhagener Polizei mit Wir-Klimaretter.de-Reporter Lars Dittmer. Der hält übrigens keinen Schlagstock in der Hand, sondern ein Fotostativ (Alle Fotos: Chris Weimann)
Haben Sie eine private Meinung – beispielsweise zur Vorbeugehaft? Finden Sie die Verhaftung auf Verdacht angemessen für Menschen, die an Klimaprotesten teilnehmen?
Wir sind uns der Problematik bewusst und wollen natürlich keine unschuldigen Menschen einsperren. Es kann aber auf der anderen Seite schwierig sein, den Krawallmacher vom friedliebenden Aktivisten zu unterscheiden. Wir haben das Problem oft diskutiert.
Was sind die Kriterien? Ein Stein in der Hand oder langes Haar?
Beim Stein in der Hand ist die Sache natürlich klar. Langes Haar allein genügt als Kriterium hingegen nicht. Es kommt sehr auf die Situation an.
Im Klartext: Es gibt keine harten Kriterien? Sie können nach eigenem Ermessen Protestler in Vorbeugehaft nehmen?
Im Prinzip – ja. Wir müssen natürlich von Situation zu Situation neu entscheiden. Ich kann natürlich auch nicht nach Belieben Leute vor dem Bella Center einsammeln. Ich muss erst feststellen, um was es ihnen geht, und in welcher Situation wir uns befinden.
Haben Sie bei der Kopenhagener Polizei die Kapazitäten für Massenverhaftungen?
Ja, klar. Wir haben eine Halle eingerichtet, um festgenommene Personen zu verwahren. Es gibt hier Platz für 370 Menschen – und daneben noch die Polizeistationen und einige andere Orte und Räume in der Stadt. Wir hoffen natürlich, dass wir sie nicht benötigen werden.
Verschiedene Organisationen haben sich im Vorfeld beschwert, dass die Aufbewahrung von Klimaprotestlern in Massenkäfigen unangemessen sei.
Was soll ich sagen? Es ist kein Hotel. Man ist mit vielen anderen Leuten zusammen eingesperrt. Man muss natürlich auch dran denken: Wenn man eingesperrt wird, kann man auch selbst daran Schuld sein. Es ist nicht grausam, es ist kein Gefängnis. Es ist beheizt, man kann etwas essen und natürlich auch auf die Toilette gehen, man ist unter Menschen. Und 30 Polizeibeamte und ein Doktor sind 24 Stunden am Tag da, um sich um die Inhaftierten zu kümmern. Die Sicherheit der Menschen liegt uns am Herzen. Es ist kein Gefängnis, aber auch kein angenehmer Ort.
Viel Platz für Vorbeugehaft – das Polizeipräsidium Kopenhagen
Wieviele Polizisten können Sie am kommenden Samstag einsetzen?
Tut mir leid, darüber darf ich keine Auskunft geben.
Finden Sie eigentlich, die Klimaprotestler setzen sich für eine gute Sache ein?
Ich sollte eigentlich nicht drüber sprechen. Aber: Wir Polizisten sind auch nur Menschen. Ja, ich trage eine Uniform, und soll für Recht und Ordnung sorgen. Dennoch: Viele von uns denken, dass es gut ist, dass die Menschen demonstrieren. Es ist wichtig, dass sie dieses Recht haben. Aber: friedlich.
Wie stehen Sie zum Klimawandel?
Ich glaube, das er kommt und zwar sehr schnell. Da muss etwas geschehen. Kopenhagen tut sehr viel für die Umwelt, darauf bin ich stolz. Auch bei der Polizei tun wir etwas gegen den Klimawandel: Wir sparen Strom und Wasser.